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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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488 Von dem Gottseeligen Fidele/

dem Gnaden-stressenden Grab deß gros-sen Heiligen Caroli Boromäi geführtworden/ wo aber auch die ^zehen-tägi-ge Beschwörungen / und andere vorge-kehrte Geistliche Mittel / so vil als nichtsverfängig waren. Endlichen auf An-hörung der so nahmhafften / und bestän-digen durch die Vorbitt deß seeligenMärtyrers Fidelis von GOtt gesche-hender Wunder-Zeichen ist der Schlußgemacht worden / sie nacher Feldkirchzu führen/ in dem festen Vertrauenall-da mit der erwünschten Befreyung be-gnadet zu werden. Zu disem Ende hatdie weltliche -Obrigkeit zu Appenzel! /wo sich die verunglückte Persohn auf-hielte / zwey starcke Männer gedingt /sie bahrn zu begleiten. Der hartnäcki-ge Widerstand der bösen Geisteren /durch dene dise solche Reiß verhinderenhaben wollen / hat deutlich genug erhel-len gemacht / daß der seelige Fidelis vonGOtt dem HErrn ausgesehen gewest/inKrafft seiner Verdiensten jenen aus lh-. rer Herberg auszubeithen. Es brauch-te alles / biß man das arme Mägdleinauf das Pferdt bringen / und daraufanbinden hat können. Wie sie nun zuAltenftatt einem ein halbe Stund vonFeldkrrch gelegenen Qrth / angelangt /hat das Pferdt also gelobet / gewüthet/geschnauffet / gestampffet / und ausge-schlagen / daß die Gelaits-Männerver-zweiffleten / ihre Reiß um die leiste hal-be Stund gar machen zu können; wegenden harten Bewegungen der besessenenPersohn waren sie bemüßiget/ selbe vondem Pferdt herab zu nehmen / und zuFuß vollends hinein zu schleppen / wosie dann mit grossem Gewalt indieCa-puciner-Kirchen gezwungen / und anjenes Orth gestellet worden / an wel-chem das Haupt des seeligen Märtyrersverehret wurde. Dises hat den hölli-schen Einsäßen den Gewalt schon umsovil gchemmet / daß Catharina ohnver-hinderet eine Beicht hat ablegen kön-nen. Alsdann haben sie GOtt / undden seeligen Fidelem alles Eyfer umHülff / und Erledigung angeruffen /woraufdie böse Geister gantzruhig/je-doch überlauth sich zu beschwüren gehörtworden: Der Märtyrer peynige sie überalle Massen/ dises machte grosse Hoff-nung einer gewissen Befreyung; dahe-ro die andächtige ihr eyferiges Gebett /und Anrußungen fortgesetzet. Deß an-deren Tags hat man wahrgenommen /daß ohne eintzige Teuffels-Beschwö-rung oder Anwendung eines Heyl-thum/ sondern alleinig aus Krafft deßGebetts eine sehr lange höltzernePfeif-fen durch einen heimlichen Leibs-TheilHerfür / und den ^ten Tag hernach durcheben Visen Weeg ein verrosteter Nagel

einer Spannen lang von ihr heraus ge-fallen; wornach sich das Mägdlein al-ler teufflischer Zauberey / und höllischerGeister entbunden / und vor allzeit /so lang es gelebet / befreyet worden /und ohne einige Fußstapffen der Anmer-ckung deß vorigen Übels verbltben.

In einem Dorfs/ ^lbs pmo, oderWeißthannen genannt / ist gählingenFeur ausgebrochen / welches von demhäfftigen Wind vermehret / dem gantzenDorfs den völligen Untergang antrohe-te; angesehen die arme Bauren-Hüt-ten alle von purem Holtz zusammen ge-fügt waren. Die Funcken von demWind hin-und her gewehrt/ haben schonin zo. Häusseren die Brunst erweckt.Der Herr Orths - Pfarrer / IacobusNeyer/ ist disem Jammer vollen Wer-fen auch zugeloffen; und wie ihne daßjammeren/ und schreyen seines geäng-jtigten Volcks zu hertzlichen Mitleydcnbewegt also wirfst er in bey sich haben-des Flecklein von dem Habit deß seeli-gen Märtyrers Fidelis in das Feuer :Gehet darauf in die Kirchen / nihmtdas Hochwürdigist Sakrament ehren-bietigist heraus; und stellet sich damit inBegleitung des Volcks der Brunst insAngesicht/ schreyet miterhebter Stimm/und bittet also; O HErr JEsü Chri-ste! wann dein Diener Fidelis Heiligist/ und deiner Gegenwart ange-nehm / so komme uns in vifer äusser-sten Aoth zuHrrlss; lösche das Fennaus / und errette uns von einem sol-chen Undergang. Ein wunderlicheSach/ aufdises kaum ausgesprochöe An-flehen hat sich der Wind / der das Dorfsgantz umringet / und dem Feur zu Hülffwäre / augenblicklich umgeschlagen; dasFeur auf der andern Seiten aus denHäusseren getriben / und die Flammenmit sich hmweg gezogen / also / und der-gestalten/ daß ausser deß eintzigen vondem Feur zu allererst angegriffen - undeingeäscherten Hausses / kein eintzigesder andern in den Brand gerathen.

ptiilippins ein Tochter JohannisSchultheiß eines Geschlechters zu Co-stantz wäre an Händ / und Füssen ge-lähmet/ und also entkräfftet/ daß sieden Leib nur auf dem Boden herumschleppen müste. Über das / so hatein hälftiger Husten/ beständiger He-scher/ und andere bald unerträglicheSchmertzen sich/ und anderen unnutz-lich/ und verdrüßlich gemacht/ weildie von ihrem Vatter vil; und köstli-che angewendte Mittel unterfchidlicherArtzney- Verständiger von keinem An-schlag waren/ ist man in den Verdachtgerathen/ solches Übel müsse ein Wür-

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