Verzeichniss der Holzschnitte.
A. Holztafeldrucke.
1. Biblia pauperum, lateinischer Text.
Kl. Fol. 40 Blätter, zu 21 zusammengeleimt, '38 derselben paarweise, nur daserste und vierzigste auf ein weisses l’apier geklebt, so dass Seite 1 und 42 des Bandesleer sind. Höhe der Seiten 26'/s C.-M., Breite 20. Jede derselben ist an allen vierRändern in eine schwarze Linie eingefasst; eine dicke Querlinie scheidet das obereDrittheil der Tafeln, mit den Prophetenbildern und Inschriften der obern Ecken, vonder dreitheiligen Hauptvorstellung in der Mitte, die wie eine Altartafel mit geöffnetenFlügeln oder wie ein gothisches Fenster aussieht. Laut der über jener Querlinie ange-brachten Signatur ist die Reihenfolge der Tafeln folgende: A|b|cjd|e|f|g|h|i|k I 11 m | n I o I p | q I r | s 11 I v | .a. I .b. | .c. | .d. | .e. |.f. | .g. | .h. | .i. | .k. | .1. j .m. [ n | o [p. | .q. | r | s | .t. | .v. j. Das Exemplar ist somit ganz komplet; der Abdruck erscheintim zweiten Alphabet deutlicher und von dunklerer Farbe als im ersten, wo besondersauf Seite 1—2 und 13—14 das stark und eng genarbte Papier die abgedruckten Linea-mente stellenweise unterbricht und die Schwärze sich zum Hellbraun abblasst. DieFiguren sind nicht kolorirt; blos hat ein Rubrikator oder alte Besitzer des Buchs hinund wieder Feuerflammen, Blut, Kronen, Lippen der Personen mit Minium betupft, dieAnfangsbuchstaben der Inschriften ebenso angezeichnet oder ganze Zeilen derselbenroth unterstrichen. Mit schwarzer Tinte sind einige Personennamen beigefügt z.B. p.7und 8; auch ein ganzer Spruch pag. 12; und zwar von der Hand des St. GallischenPaters Gallus Kemly (Presbyter seit 1441, J um 1477), der somit allerspätestens in denSiebziger Jahren des XV. Jh’s. Eigenthümer des Werks war. Ein Papierzeichen lässtsich nicht bemerken, auch nicht an den Seiten 12 und 13, die aus der Zusammenleimunggelöst sind, also durchscheinen. Wie aus der oben angeführten Signatur zu ersehen, gehörtdie Ausgabe zu denjenigen, in denen die Buchstaben n, o, r und s des zweiten Alpha-bets ohne Punkte sind (Heineke’s Nro. L, Ebert Nr. 2361). Diese Ausgaben gelten ^lsdeutsche Nachbildungen einer holländischen Originalausgabe (Heinecke’s Nro. II), diein Zeichnung und Costum mit der Schule van Eyk’s und in der Schriftform mit denältesten Harlemer Drucken und mit der gothischen Type der spätem Holländer ver-wandt ist. Vgl.Sotzmann Histor. Taschenbuch 1839 S. 533 und 1841 S. 562, und Weigelund Zestermann II. S. 135 ff, wo jene Originalausgabe zwischen die Jahre 1460 und 75gesetzt wird. Das von Sotzmann erwähnte eigenthümliche t mit dem perpendikulärenStrich am Ende des Querbalkens findet sicli auch im St. Galler Exemplar und nichtblos bei t sondern ebenso bei f (z. B. in der Signatur von Seite 6) und bei g (Seite 7).Unter den Abdrücken mit den 4 Buchstaben ohne Punkt finden selbst wieder Ab-weichungen statt, die man aus Massmann’s Beschreibung der Münchner Xylographa(Serapeum II) kennen lernt; denn München besitzt nicht weniger als 10 Exemplare der