II.
Methodische Fortschritte und Neuerungen.
Durch fortgesetzte Reformen hat die französische Volks-schule heute ein Gepräge erhalten, das in dem des vergangenenDezenniums kaum zu erkennen ist. Es sind auch hier dieunvergänglichen Ideale der grofsen Revolution, nach welchendas demokratische und stark freiheitlich angehauchte Volk hin-drängt. Jetzt handelt es sich darum, den einmal als richtigerkannten Mafsnahmen Zeit zu lassen, damit sie in der Be-völkerung und bei der Lehrerwelt tiefere Wurzel fassen undnicht in Bälde, wovor man drüben eigentlich nie sicher seinkann, durch frische Nouveautös verbannt werden. Denn sagenwir es offen: das Verdrängen der Religion durch die Sitten-lehre , die Einführung des Handfertigkeitsunterrichtes, derPrinzipien der Verfassungslehre: der Pflichten und Rechte derBürger, das Wiederaufleben der physischen Erziehung, dieSpiele und Leibesübungen und die gesteigerte Berücksichtigungdes Anschauungsunterrichtes sind ebenso viele erprobte päda-gogische Goldregeln, bedürfen aber, um zu erstarken, vor allemder Zeit und der Ausdauer, und verkümmern durch ober-flächliches Experimentieren und unstätes Herumtasten.
Indem wir uns die Neuerungen an Unterrichtsmaterial undLehrbüchern einem eigenen Kapitel Vorbehalten, gehen wirnun einzeln auf die Charakteristik der angedeuteten »NeuenBahnen« über und hoffen so dem Leser einen richtigen Überblicküber die modernen Bestrebungen des wahren Milliardenlandeszu bieten.
A) Instruction morale et civique, von v. Sallwürk»Bürgerlehre« genannt, heifst das neueste französische Surrogatfür die Religionslehre, das alles in sich begreifen soll, was zuwissen dem zukünftigen Bürger Not thut: seine Pflichten, Rechteund dgl. Aber wage ich gleich hier einzuwenden: der Knabeauf der Schulbank ist ja nur das Embryo des zukünftigen