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Beiträge zur Kenntnis des modernen Volksschulwesens von Frankreich : mit Berücksichtigung der übrigen auf der Pariser Weltausstellung vertretenen Länder / von Franz Kémeny
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Franz Kemeny.

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28. März i882 wurde dieser Unterrichtszweig für alle Arten derVolks- und Bürgerschulen obligatorisch gemacht und damit anStelle des geisttötenden Mechanismus einer überwundenen Epocheder rationelle und systematische Realismus anerkannt. Im eigent-lichen Sinne das Erbe der grofsen Revolution, eines Condorcetund St.-Fargeau, steht man verwundert der Thatsache der sospäten Verwirklichung gegenüber, da ihre Berechtigung nichtallein aus der allgemeinen Bestimmung der niederen und mittlerenSchulen erhellt, sondern auch aus den mannigfachen Vorteilen,welche sie der Jugend sichert. Denn nicht nur Geschicklich-keit und Augenmafs werden gefördert und in weiterer Folgedie Grundlagen zu gesichertem Existenzen und zur Erstarkungeines finanziell unabhängigen Gewerbestaates gelegt, sondernund dies thut unter den heutigen sozialen Verhältnissen undVerkehrtheiten in erster Linie Not es wird in das jugend-lich weiche Gemüt bei Zeiten die Achtung und die Vorliebefür das Gewerbe eingeimpft und hiermit ein nicht hoch genuganschlagbares Gegenmittel geschaffen gegen die Hohlheit undMifsachtung, womit in unserem proletarisch angehauchten Zeit-alter grade jene sich brüsten, welche hierzu die geringste Be-rechtigung besitzen.

Über die Ausdehnung des Handfertigkeitsunterrichtes inden letzten 7 Jahren entnehmen wir dem Werke Salicis, desLandesinspektors für diesen Unterricht, die folgenden Angaben:gearbeitet wird u. z. in 2 Kursen, einem elementaren und einemmittleren, an 18O Lehrerbildungsanstalten, 211 höheren Volks-schulen, die sämtlich mit entsprechenden Werkstätten undArbeitsräumen ausgerüstet sind, dann in 12 000 Volksschulen,die zwar keine eigenen Werkstätten besitzen, jedoch auch miteinfachen Mitteln den Handfertigkeitsunterricht betreiben undbilligen Anforderungen gerecht zu werden vermögen. In dreigrofsen Sälen des Palais des arts UMraux und auch sonst aufSchritt und Tritt begegnen wir den mannigfaltigsten Schüler-arbeiten und erhalten aus dieser malerischen Zusammenstellungein treues, nicht auf Schein beruhendes Bild der in den er-wähnten 3 Schulen befolgten Methoden.

Bereits in den Elementarschulen werden so vielfältigeGegenstände hergestellt, dafs eine erschöpfende Aufzählungrein unmöglich erscheint. Die wichtigsten sind: geometrischeKonstruktionen aus Stäbchen und einfache Möbelmodelle; Körbe,Ketten und Streifen aus Rohr und Rohrgeflecht; plani-metrische Formen und stereometrische Körper, dann Kugeln,Fliegenhäuser, Käfige, Schachteln, Gefäfse, Brücken, Fensterund Häuser aus Pappe und buntem Papier; Faden- und Draht-geflechte, Drechsler-, Tischler-, Schlosser- und Schnitzerarbeitenvon einfacher oder schwierigerer Art; ornamentale Modellierung