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Die Sehenswürdigkeiten Marburgs und seiner Umgebungen in geschichtlicher, kunst- und kulturhistorischer Beziehung / von Wilhelm Kolbe
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Das Universitktsgebnude.

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Harmonie und Einheit. Dieser Eindruck wird noch erhöht durch diereizende Perspektive, die sich nach Osten und Westen in den, in derganzen Längenaxe des Gebäudes hinziehenden Kreuzgang, sowie nachSüden in die offene Halle des auf dieser Seite befindlichen Risalites,mit seinen farbenprächtigen Fenstern, eröffnet.

Eine Reihe von acht Säulen mit runden Schäften und prachtvollenKapitälen, mit stets wechselnden Blattornamenten, tragen die Kreuz-gewölbe des zu einer zweischiffigen Halle erweiterten westlichen Teilesdes Kreuzganges, in welchen man zuerst eintritt. Über derselben befindetsich ein zweistöckiger Oberbau mit Räumen für die Universitätsverwal-tung und sonstige Lehrzwecke.

Die zweiteiligen Fenster des Kreuzganges sind von Spitzbogen-blenden umrahmt, in denen auf beiden Seiten kleine steinerne Sitzbänkezum Niederlassen einladen, zumal man hier einen höchst malerischenBlick in den traulichen viereckigen Jnnenhof genießt. In den mit Glas-malereien versehenen Sechspässen der Fenster finden sich viele sinnige,altdeutsche Reimsprüche, wie:Wer Host in Gott, wird nicht zu Spott",Bete rein, arbeite fein, das Übrige laß Gott befohlen sein",MitGott gewagt, unverzagt".

Die Südseite des Kreuzganges bildet das vierstöckige, außen durchschöne Gesimse gegliederte, oben aber mit einem reichen Blattkranzgesimsumzogene Hauptgebäude, das im Südosten von einem teilweise vorstehen-den eliptischen Treppenturm, mit einem hölzernen, gradlinig abschießendenHelm, und im Westen von einem viereckigen, äußerst reich verzierten,weit vorspringenden Risalit flankiert wird. An letzteres schließt sich aufder Nordseite der westliche, zwei Stock höher gelegene Flügelbau desKreuzganges an, sodaß beide ihre Dachfirste in einer Linie haben.

Ein langer zweistöckiger Flügelbau erstreckt sich auf der westlichenSeite des Risalites, in gleicher Flucht mit dem Hauptgebäude, bis zuder vom Hirschberge herabsührenden Straße, wo derselbe in einem vonNorden nach Süden gerichteten kurzen Querflügel endet.

Letzterer hat auf der Südseite einen hohen Spitzgiebel, in dessenMitte eine schöne Konsole mit einem darüber befindlichem Baldachin zurAufnahme einer Statue angebracht ist, während ein zierliches offenesErkertürmchen dessen äußere Ecke ziert.

Den schönsten Prospekt bietet die Südfront des Gebäudes, da derletzterwähnte Flügelbau, wegen der großen Abschüssigkeit des Terrainsauf der Nordseite, zu tief in den Berg gekommen, sodaß man durch die