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Die Sehenswürdigkeiten Marburgs und seiner Umgebungen in geschichtlicher, kunst- und kulturhistorischer Beziehung / von Wilhelm Kolbe
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Das Itniversittttsgebkiude.

oberen Eingänge, ebener Erde, in den oberen Stock desselben gelangt,während man von da auf einer Treppe in das Parterre hinabsteigenmuß. Hierdurch hat dieser Teil auf der Nordseite ein etwas gedrücktesAnsehen erhalten.

Von der Südseite dagegen betrachtet, erscheint das ganze Universi-tätsgebäude, auf den hohen, abgeschrägten, mit durchbrochenen Steinge-ländern begrenzten Sockelmauern, durch welche eine breite, mächtige Frei-treppe hinaufführt, als ein äußerst hochragender, erhabener Bau, dessenWirkung freilich erst nach Ausführung der projektierten Aula zur vollenGeltung kommen kann. Hier tritt vornehmlich das durch den Reichtumfeiner Ornamente, sowie durch die Mannigfaltigkeit seiner Gliederung anden Strebepfeilern, Fenstern und Gesimsen ausgezeichnete Risalit hervor.In vier, durch reiche Gesimse von einander geschiedenen Stockwerkensteigt dasselbe in die Höhe, an den beiden Ecken und in der Mitte vonmehrfach zurückgesetzten und mit Säulenbaldachinen geschmückten, sowievon prächtigen Gesimsbändern umzogenen, Strebepfeilern umstellt, dieoben in Lisenen auslausen. Ein hoher, von dem Schäferschen Ent-würfe leider abweichender, zu einfach gehaltener Spitzgiebel mit einerKreuzblume und zwei schlanken Steinpyramiden zur Seite krönt dasGanze. Die größte Mannigfaltigkeit und Pracht zeigt auch die Fenster-anlage. In jedem Stockwerke sind die Fenster verschieden gegliedert undornamentiert, und zwar am reichsten im zweiten und vierten Stocke.

Im Innern bildet das Nisalitparterre eine durch zwei Etagengehende hohe Halle, deren mit edel profilierten Gurt- und Kreuzrippenversehene Kreuzgewölbe von zwei mächtigen, mit reicher Bildhauerarbeit,Adlern und geflügelten Löwen, gezierten Säulen getragen werden, die indrei verschieden gestalteten, nach oben sich verjüngenden Teilen aufwärtssteigen. Den unteren Teil bildet ein von rechteckigen Strebepfeilernumstellter achteckiger Schaft. Der zweite, gleichfalls achteckige Teilder Säule ist dagegen von vier freistehenden, schlanken Rundsäulchenumsetzt und trägt als dritten Teil einen runden Säulenschaft miteinem reich verzierten Kapitäl. Nach dem Schäferschen Plane warenhier zwei hohe, durch Ringe gegliederte schlanke Rundsäulen projektiert,wodurch der untere Raum der Halle weniger beengt und dem Ganzeneine noch größere Schlankheit und Kühnheit gegeben worden wäre. Vorden mit Glasgemälden versehenen Fenstern der Halle führen im Innernauf Kragsteinen ruhende, steinerne Umgänge mit schmiedeeisernen Ge-ländern her.