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Die Sehenswürdigkeiten Marburgs und seiner Umgebungen in geschichtlicher, kunst- und kulturhistorischer Beziehung / von Wilhelm Kolbe
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Der Einführung der Reformation widersetzten sich die Franziskanerunter ihrem letzten hiesigen Guardian Nikolaus Ferber auf das Heftigste.Da ihnen jedoch schließlich keine andere Wahl gelassen wurde, als dasEvangelium anzunehmen oder ihr Kloster zu verlassen, zogen sie sämtlichEnde Mai 152s von hier hinweg?)

Die Klostergebände wurden hierauf, mit Ausnahme des Brauhauses,welches die Stadt erhielt, der Universität überwiesen und darin dasoollsZiuiu inocliouur und xirilosoplriouiu, sowie Wohnungen für dieStipendiaten und deren Ephorus errichtet, welche hier unter ihrenMajoren gemeinsam wohnten und nach einer genau vorgeschriebenenHausordnung ihren Studien oblagen. Durch die Liberalität desLandgrafen wurden 1533 auch 5 Badestuben zum allgemeinen Gebrauchder Studenten in diesem Gebäude eingerichtet. Dies Kollegiengebäudehieß gewöhnlich oollsZinin konmrii.

Die Kirche der Franziskaner ging nunmehr ihrem Verfall entgegen,da sie ganz außer Gebrauch kam. Landgraf Philipp ließ daher dieGebeine seiner darin begrabenen Mutter, Anna von Mecklenburg, 1546von da in die St. Elisabethkirche transferieren, wo bereits das Herzderselben, neben deren erstem Gemahle, Landgrafen Wilhelm II., ihrerBestimmung gemäß, ruhte.

Da das Grab des gleichfalls hier bestatteten Bischofs von Chrene,Johannes Spender, eines ehemaligen hiesigen Franziskaners und Mar-burger Stadtkindes, 1549 durch Salpetergräber zerstört worden, warddie Leiche desselben auf Anordnung des hiesigen Magistrates pietäts-voller Weise in einer neuen Lade verwahrt und wiederum daselbst ehrlichbegraben?)

Als im 17. See. die große Glocke der hiesigen Pfarrkirche mehr-mals gesprungen, wurde dieselbe am 28. November 1669 in der Fran-ziskanerkirche umgegossen, nachdem der Magistrat sich zuvor kontraktlichverpflichtet hatte, für den Schaden, der durch eine etwaige Feuersbrunstentstehen könnte, einzustehen.

Unter Landgraf Karls Regierung erfolgte später der völlige Ab-bruch dieser Kirche. An ihrer Stelle ward, mit Benutzung der stehengebliebenen südlichen Kirchenwand, ein großes Universitätsreithaus nebsteiner daneben befindlichen offenen Reitbahn erbaut, sodaß Marburg

? Vgt. ^Ibunr ^.ekreisiurouin xaz. 8b.

2) Vgl. W. Kolbe, die Einführung der Reformation S. 21 und 22.