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Die Sehenswürdigkeiten Marburgs und seiner Umgebungen in geschichtlicher, kunst- und kulturhistorischer Beziehung / von Wilhelm Kolbe
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90 Die Sternwarte mit dem mathematisch-physikalischen Institute.

hierin die größten Universitäten übertraf und man hier, wie rühmendhervorgehoben ward,auch in denen absonderlich einem von Adel nöthi-gen Exercitien etwas Rechtschaffenes lernen" U konnte. Die Vollendungdesselben erfolgte 1731 unter dem Landgrafen Friedrich, dessen Namens-chiffre, als Königs von Schweden, über dem Portale ausgehauen.

Im Jahre 1876 wurde dies Reithaus, nachdem der Marstall vonhier nach Dillenburg verlegt worden, zu zwei Sälen umgebaut, vondenen der obere zugleich die bis da dem neuen Universitätsgebäudefehlende Aula für große akademische Feierlichkeiten ersetzen muß. Beidieser Gelegenheit fand man im Innern des Gebäudes die Fundamentedes ehemaligen Kirchenchors sowie eine große Menge Menschengebeine,außerdem auch ein schlankes frühgotisches Säulenkapitäl, das in derAltertümersammlung auf dem Schlosse aufbewahrt wird.

Der Abbruch des Kreuzganges und östlichen Flügelgebäudes erfolgteim Jahre 1812 unter der westfälischen Regierung, womit dann auch dasZusammenleben der Stipendiaten, die darin ihre Wohnung hatten, auf-hörte und der Ephorus seine Dienstwohnung verlor. Das Gebäude derBibliothek erfuhr aber 1825 einen teilweisen Umbau, bei dem die nochübrigen Kreuzstockfenster verloren gingen. Zur Erweiterung der Biblio-thek ward dagegen auf der Westseite ein neuer Flügel im Jahre 1850angebaut.

Die Sternwarte mit dem mathematisch-physikalischen

Institute.

Dieses moderne Gebäude, ohne allen architektonischen Schmuck,unterhalb des ehemaligen fürstlichen Renthofes, der dermaligen Ober-försterei, ward in den Jahren 18401842 erbaut.

Bis da stand an dieser Statte der auch in seiner Deformationnoch immer malerisch-schöne und bewohnte von Dörnbergische Hof, einehedem stark befestigter Burgsitz, mit dem der bekannte herrschgewaltigeLandhofmeister der Landgrafen Heinrich III. und Wilhelm III. vonOberhesfen, Hans von Dörnberg, einst beliehen worden. Im Vereinmit dem früher daneben gelegenen Stadtthore bildete dieser Burgsitz, mit

0 Professor Dr. Julius Cäsar, Christian Wolfs in Marburg, 1879, S. 20.