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Ein Gang durch Pariser Schulen / von J. Pünjer
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physikalischen Apparaten, Karten, dann war ich geneigt anzunehmen,daß sie im Zeichnen ihren gleichalterigen Genossen in Deutschland überlegensind. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich ein kompetentes Urteil überdiese Sache irgendwo erhalten könnte.

Auch betreffs des Gesangunterrichts muß ich mich eines Urteilsenthalten. Mehrfach sind mir von den Schülern und Schülerinnen mehr-stimmige Lieder vorgesungen worden, entweder auf meine Bitte oder ohneBitte von meiner Seite, und jedesmal habe ich mich über die Präzisionund Frische des Gesanges lebhaft gefreut.

Wenn ich hiermit meine Bemerkungen über den Unterricht in denPariser Volksschulen schließe, kann ich mein Gesamturteil dahin zusammen-fassen, daß in diesen Schulen ohne allen Zweifel mit großem Eifer, mitviel Geschick und mit reichem Erfolg gearbeitet wird. Ich kann jedocheinige tadelnde Bemerkungen nicht unterdrücken. Die Haltung der Schülerwährend des Unterrichts entsprach, wie ich schon bemerkte, nicht ganz denAnforderungen, die wir in Deutschland in dieser Hinsicht zu stellen ge-wohnt sind. Ferner ist mir aufgefallen, daß die Lehrer sehr oft Fragenstellten, deren Form von den Forderungen der katechetischen Fragekunfterheblich abwich; dann glaube ich bemerkt zu haben, daß viele Lehrernicht frei sind von einer der Erreichung des Unterrichtszweckes nicht förder-lichen Neigung zum Docieren, zum Halten längerer Vortrüge, und endlichwurde, wie ich schon angedeutet habe, mehr als einmal das Gedächtnis ineiner Weise in Anspruch genommen, die nach unsern pädagogischen Begriffeneher schädlich als förderlich ist.*) Die Herren Kollegen, die mir in allenStücken so freundlich entgegengekommen sind, werden mir diese Bemerkungen,falls sie ihnen zu Gesicht kommen, hoffentlich nicht übel nehmen.

4. Einige Einzelheiten.

a. Lieferung der Schulbücher.

Die sämtlichen Schulbücher und Hefte werden den Schülern derVolksschulen von der Stadt Paris geliefert. Die Stadt zahlt zu diesem

*) Ich verweise hier noch auf eine kurze Rechenlektion, der ich beiwohnte. Ichhabe derselben oben nicht weiter Erwähnung gethan, weil ich aus Mangel an Zeit