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Wollen Eltern ihren Kindern diesen nie schwankenden Halt als höchsteMitgäbe fürs Leben verschaffen, sv müssen Eltern und Kind immer innerlichund äußerlich geeint erscheinen, wenn sie in stiller Kammer oder in freierNatur sich mit ihrem Gott und Vater im Gebet in Einigung erkennen. Essage ja niemand — denn er raubt schlechterdings den Kindern dadurch ihrHöchstes —: die Kinder werden es nicht verstehen: sie verstehen es undwerden es verstehen, wenn sie nur sich selbst und ihren Eltern nicht schonzu sehr entfremdet sind: sie verstehen es, nicht im Begriffe, aber in ihremInnern. Religiosität, inniges Leben in Gott und mit Gott in allen Zu-ständen und Lagen des Lebens und des menschlichen Gemütes, welches nichtvon Kindheit auf so mit dem Menschen herauswächst, wird sich später nurhöchst schwer znm vollen kräftigen Leben erheben, so wie ein so gekeimterund gepflegter religiöser Sinn unter allen Stürmen und Gefahren desLebens den Sieg davontragen wird. Dies die Früchte des frühesten religiösenelterlichen Beispiels, und wenn es auch selbst das Kind nicht zu beachtenscheint, llnd sv in jedem Falle des lebendigen elterlichen Beispiels. /
Aber nicht allein in Beziehung aus die Ausbildung des Religiösen imMenschen, sondern für die Gesamtansbildnng des Menschen ist es höchstwichtig, wenn seine Entwickelung von einem Punkte aus stetig fortschreiteund als stetig fortschreitend immer beachtet werde. Und wesentlich nachteilig,ja vernichtend ist es darum, wenn innerhalb der stetig fortlaufenden Reiheder menschlichen Entwickelungsjahrc so scharfe Grenzen gemacht werden, daßdas bleibend Fortlaufende, des Lebens Mark, dadurch ganz der Beachtungentzogen wird. Wesentlich nachteilig ist es darum, wenn die Stufen dermenschlichen Entwickelung: Säugling — Kind — Knabe, Mädchen — Jüng-ling, Jungfrau — Mann, Frau — Greis, Matrone — als wirklich getrenntund nicht, wie es das Leben zeigt, ineinander übergehend, vielmehr derKnabe als etwas ganz anderes als der Jüngling oder der Mann und alsetwas so Geschiedenes betrachtet werden, daß das Gemeinsame „Mensch" nurkaum schwach für den Begriff durchschimmert, aber fast gar nicht beachtetnn Leben und für das Leben hervortritt. Und doch ist es so in der Wirklich-keit: denn''beachtet man das Leben, wie es ist, wie steht schon da das Kindund der Knabe so ganz getrennt: besonders sprechen die späteren Stufenvon den früheren wie von etwas ganz Fremdem, von ihnen völlig Ver-schiedenein: der Knabe sieht in sich nicht mehr das Kind und in dem Kindeuicht den Knaben : der Jüngling sieht in sich nicht mehr den Knaben unddas Kind und in diesen beiden nicht den Jüngling: vornehm wegweisendsieht er über sie hinweg. Doch das Schädlichste von allein ist, daß besondersder Mann i» sich nicht mehr den Säugling, das Kind, den Knaben undJüngling, überhaupt nicht mehr die früheren Entwickelnngsstnscn schaut und>u diesen sich nicht selbst findet lind sieht, sondern vielmehr vom Kinde und