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ausführlichen Betrachtung zu unterziehen. Dabei war es zurCharakterisirung seiner typischen Bedeutung innerhalb der Ent-wickelung des französischen Unterrichtswesens geboten, seineStellung zu den Vorgängern und Nachfolgern auf dem pädago-gischen Gebiete zu untersuchen, also sein Anlehnen an dieGrundsätze des Port-Royal, „der ercprickenden grünen Stelle inder Einförmigkeit des französischen Schulwesens“ ,*) und dasabweisende Verhalten der späteren Lehrpraxis ihm gegenüber.Da die ihm gewidmeten Eloges seiner Landsleute sich nur infranzösischer Rhetorik ergehen, so war ich für die Behandlungmeines eigentlichen Themas angewiesen auf Rollin’s pädagogi-sches Werk selbst, seinen Traite des etudes, für die Betrachtungdes späteren Verfahrens der französischen Gymnasien waren mirvon grossem Nutzen ausser dem Hahn’schen Werke die Programmedes französischen Gymnasiums in Berlin von 1879 und 1880:„L’ enseignement secondaire en Erance“, par Ernest Friese.
I. Rolliris Leben und Wirken.
Charles Rollin wurde geboren zu Paris am 30. Jan. 1661als zweiter Sohn eines ehrbaren aber unbemittelten Messer-schmieds. Er würde den Stand seines Vaters erwählt haben,hätte nicht ein Benediktiner, dem der Knabe in der Messediente, die ausserordentliche Begabung desselben entdeckt unddie inzwischen verwittwete Mutter veranlasst, ihre Einwilligungzum Studium des Sohnes zu geben. Nachdem der Knabe mitglänzendem Erfolge die vorbereitenden Studien getrieben hatte,verschaffte ihm sein Gönner eine Freistelle in dem College duPlessis, wo er durch seine ehrenhafte Gesinnung und durchseine tüchtigen Leistungen sich bald die Freundschaft des RectorsGobinet und des hochgeachteten Gelehrten und Erziehers Hersanerwarb. Nach Absolvirung des Cursus der Humaniora und derPhilosophie widmete er sich zu Paris an der Sorbonne demStudium der Theologie, das er jedoch nach drei Jahren aufgab,um sich dem Studium der Humaniora ausschliesslich hinzugeben,zum Theil wohl veranlasst durch seinen früheren Lehrer Hersan,der ihn zu seinem Nachfolger wünschte. In der That erhieltauch Rollin im Jahre 1683, als Hersan von Louvois zum Er-zieher seines Sohnes ernannt wurde, dessen Stelle. Im Jahre1687 wurde er Professor der Rhetorik an demselben College.Hier soll er sich die Zuneigung seiner Schüler durch eine
*) Wiese, Deutsche Briefe über englische Erziehung, B. 2, S. 18.