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Rollin als Pädagoge : ein Beitrag zur Geschichte der Pädagogik / von Gustav Völcker
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„Umgenitus“, durch welche er 101 Sätze aus jenem Testamenteals ketzerisch, verdammte. Die Folge davon war, dass dieKirche in Frankreich in zwei Parteien zerfiel, die der „Accep-tanten“, welche die päjjstliche Bulle annahmen und die der „Appe-lanten“ , welche sie verwarfen. Unter der Regentschaft desHerzogs von Orleans blieben die Jansenisten ziemlich unbehelligt,Ludwig XY. dagegen, durch den Cardinal Eleury bearbeitet,quälte sie vielfach, bis schliesslich die Bulle Unigenitus förmlichals französisches Landesgesetz anerkannt wurde. In diesemStreite hatte Rollin Partei ergriffen für Quesnel und die Jan-senisten. Er hatte eine grosse Hochachtung gehegt für dasHaupt der Jansenisten, Anton Arnauld, der eine Menge Schriftenwider die Jesuiten verfasst und 1679 nach den Niederlandenhatte fliehen müssen. Weit gefährlicher für ihn war jedochsein Verkehr mit Quesnel. Als dieser 1703 in Brüssel ver-haftet wurde, fand man bei der Durchsuchung seiner Papiere,dass er in regem Briefverkehr mit Rollin stand. Eine in Folgedessen bei Rollin vorgenommene Haussuchung verlief ohne Re-sultat, da er Zeit gehabt hatte, ein gefährliches Papierstück zubeseitigen. Ein im Jahre 1707 gegen ihn unternommener Sturmder Jesuiten hatte eben so wenig Erfolg, um so mehr aber derdritte im Jahre 1712, der mit Hülfe des Jesuiten Le Tellier,des königlichen Beichtvaters, gelang. Zum grossen Schmerzeder Lehrer und Schüler schied er aus seinem Amte.*) Beialledem war er durchaus nicht ein einseitiger Gegner derJesuiten. In seinem pädagogischen Werke spricht er vonmanchem gelehrten Mitgliede des Ordens, wie z. B. von Vavas-seur, Bouhours, Jouvency, la Cerda, in sehr anerkennenderWeise.

Mitglied der Academie der schönen Wissenschaften warRollin bereits 1701 geworden. Von 1712 an zog er sich indas Privatleben zurück und lebte seinen wissenschaftlichen Ar-beiten in einem dürftigen Häuschen der Vorstadt St. Marceau,über dessen Thür er folgende Inschrift anbrachte:

Ante alias dilecta domus, qua ruris et urbis

Incola tranquillus meque Deoque fruor.

Im Jahre 1720 wählte ihn die Universität noch einmal zum

*) Die eben geschilderten Vorgänge sind zum Theil gegeben nachCollmann's Alexandre le Grand, S. 10 (1877 in der WeidmannschenSammlung erschienen). Die Correspondenz Rollin’s mit Quesnel sowiedie Haussuchung nach Froriep, „Abriss einer Lebensgeschichte CarlRollin’s“, Gotha 1781, S. 110 ff.