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Rector. Als solcher widersetzte er sich der Bulle Unigenitusund appellirte mit der Universität an ein künftiges Concilium,worauf auf einen höheren Befehl sein Rectorat verkürzt wurde.Es folgten abermals viele Verdriesslichkeiten, unter anderem eineerneute Hausvisitation wegen einer heimlichen Druckerei.
Zum letzten Mal trat er in die Oeffentliclikeit am 11. Mai1739, als die Universität ihren Widerstand gegen den Papstaufgab und in feierlicher Versammlung die Bulle Unigenitusannahm. Da trat Rolliu als Dekan einer der vier Provinzen,in welche die Pariser Universität zerfiel, in die Mitte der Ver-sammelten, legte feierliche Verwahrung ein und hielt jene Appel-lation aufrecht, obgleich ihm der Rector Schweigen gebot. Am14. September 1741 starb Rollin als achtzigjähriger Greis, all-gemein hochgeachtet, nicht allein wegen seiner Gelehrsamkeit,sondern ebenso wegen seiner trefflichen Charaktereigenschaften,seiner Bescheidenheit, Wahrhaftigkeit, Mässigung, echten Herzens-einfalt und aufrichtigen, tiefen Religiosität. Um die Zeugnisseseiiier Landsleute zunächst zu übergehen, dürfte es nicht un-passend sein, an dieser Stelle ihm durch einen grossen Deutschenhuldigen zu sehen. In einem Briefe Friedrichs des Grossen anan ihn, datirt Rheinsberg den 20. Februar 1737, heisst es zuAnfang:*)
„Monsieur,
Vous vous etes si bien depeint dans vos ouvrages, (peut-etreSans le savoir) que je vous connols aussi intimement, que sij’avois la satisfaction de vous avoir frequente long—tems. Jerespecte en vous, Monsieur, le caractere d’un liornme de probite,d’un liornme integre, et qui rempli d’amour pour le genrehutnain, ne borne pas ses travaux, ä enseigner mais ä formenles moeurs des personnes de tout äge. La France vous seraredevable, avec le tems, d’un peuple de heros, d’un peuple desijavans, que vous avez instruits, et qui n’ayant pour but, quela solide gloire, feront consister leur veritable grandeur dansdes sentimens de coeur epures de tout vice et uniquementportes ä la vertu. Nos Allemands, plus dociles n vos le9onsqu’ ä celles de leurs parens, vont s’empresser ä marcher dansla carriere que vous leur avez ouverte.“ Der Schluss lautet:„Je vous ai une reconnoissance particuliere de votre histoireancienne, et je me crois oblige de vous la temoigner. Monestime vous est acquise: eile vous etoit due il y a long—tems:
*) Ich citire genau nach Froriep’s „Commerce epistolaire entreg. M. le Roy de Prusse et Monsieur Rollin“, Gotha 1781.