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Rollin als Pädagoge : ein Beitrag zur Geschichte der Pädagogik / von Gustav Völcker
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steller ist. Auch sein Ruhm selbst enthält eine Lehre für uns:denn er zeigt, wie weit die Geistesgaben durch die Tugend er-hoben und wie köstlich befruchtet werden können, welche neueMacht die Gottesfurcht dem Talent verleiht.“

Seine berühmtesten Werke sind: „De la maniere d’enseigneret d’etudier les heiles—lettres“ (4 B. Paris 1725), später be-titelt: „Traite des Etudes“, sein pädagogisches Werk, das unsspäter beschäftigen wird; „Iiistoire ancienne des Egyptiens, desCarthaginois, des Assyriens, des Babyloniens, des Medes et desPerses, des Macedoniens, des Grecs“ (13 B. Paris 1730—38);„Histoire romaine depuis la fondation de Rome jusqu’ ä labataille d’Actium“ von ihm selbst nur bis zum 8. Bande geführt,von seinem Schüler Crevier mit dem 16. Bande vollendet (Paris1739—48). Später fügte Crevier noch die Kaisergeschichte biszu Constantin dem Grossen in 12 Bänden hinzu. Bedeutendefranzösische Gelehrte der Neuzeit Hessen seine Werke in präch-tiger Ausstattung erscheinen, so Guizot 1821—29 in 30 Bänden,Letronne in derselben Zeit in 30. Zu erwähnen ist noch einePariser Ausgabe von 1807—1810, eine andere von 1815 in60 Bänden, eine dritte von 1817 in 18 Bänden.

Nicht immer ist das Verdienst des GeschichtschreibersRollin genügend anerkannt worden. So sehr ihn auch dieFranzosen als solchen bewundern,*) lässt sich doch nicht ver-kennen, dass seine Werke an einer gewissen Weitschweifigkeit,naiven Geschwätzigkeit, Mangel an Kritik leiden. Vergessendarf man aber nicht, dass er für seine Person niemals Anspruchgemacht hat auf den Namen eines historischen Forschers, dasser vielmehr einen pädagogischen Zweck im Auge hatte. Wieer zuerst den Geschichtsunterricht in den französischen Collegieneinführte, so sucht er dem gänzlichen Mangel an passenderhistorischer Lectüre für die Jugend abzuhelfen. Es war dieseine grosse pädagogische Tlnit, denn das ist wohl ausser Frage,dass diese Werke der Jugend aller Nationen eine wirkliche Lustzur Beschäftigung mit der Geschichte und zugleich eine leben-dige Anschauung von den verschiedenen Zeitaltern und demLeben der Völker zu geben vermögen.**) Kämmel sagt (mit

*) Montesquieu z. B. sagt (vergl. die Göbelselie BibliothekB. XVII, S. XIV): „M. Rollin a, par ses ouvrages d’histoire, enchantele public, c’est le coeur qui parle au coeur. On sent une secretesatisfaction d'entendre parier la vertu; c’est l’abeille de la France.“

**) Wie ich schon in meinem Aufsatze „Zum französischen Unter-richt“ (Jahrbücher für Philologie u. Pädagogik 1880, Heft 4, 5 u. 6)