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Rollin als Pädagoge : ein Beitrag zur Geschichte der Pädagogik / von Gustav Völcker
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62
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sie in mehr elementarer, grammatischer Weise betrieben worden,in dieser Classe auf ein ernstes Eindringen in den Geist derClassiker abzielen müsse, dass sie nicht oberflächlich sein sondernein gründliches Studium der besten Autoren erstreben müsse.Wie eingehend und gründlich er speciell die Lectüre der Rednerverlangte, ergiebt sich aus den auf 100 Seiten gemachten Be-merkungen über diesieben besonders wichtigen Punkte, diebei dem Lesen der Redner zu beachten sind. Ganz besondersaber tritt das planvolle methodische Vorgehen Rollins hervorin dem was er als Einführung und Anleitung zu den schrift-lichen Productionen giebt und in dem was er über die Correctursagt. Charakteristisch ist schon der Umstand, dass er immervoncomposition spricht, während man jetzt fast nur von demdiscours reden hört. Er wollte, dass man auch auf dieserStufe Erzählungen und Schilderungen, darauf Parallelen undAbhandlungen machen lasse und erst zuletzt Reden, dass mandemnach die einfachste Prosa, den ruhigen Ton der Erörterungzuerst übe*) und von dem Leichteren stufenweise zu dem Schwe-reren schreite. Dagegen stürzt man jetzt sofort die Schüler indie oratorisehe Emphase hinein und lässt sie sich darin ver-suchen, ohne sich um eine theoretische Anleitung zu bemühenwie sie Rollin als Probe giebt in seinemEssai de la maniere

*) Wie sehr er einen zu seiner Zeit schon beginnenden rafi'inirten,pointirten Styl verabscheute, zeigt sich in den folgenden auf SenecasStyl bezüglichen Worten (B. 1, S. 40):Ce fut lui, plus que toutautre, qui contribua a guter les esprits et ä corrompre leloquence.Jaurai lieu den parier ailleurs, et je le ferai d'autant plus volontiers.quil semble que ce mauvais goüt de pensees brillantes et dune sortede pointes, qui est proprenient le caractere de Seneque, veuilleprendre le dessus dans notre siecle. Kt je ne sais si ce ne seraitpoint un indice et un prösage de la ruine dont leloquence estmenacee parmi nous, et dont le luxe enorme qui regne plus quejamais, et la decadence presque generale des moeurs, sont peut-etreaussi de funestes avant-eoureurs. ln ähnlicher Weise spricht er sichaus B. 3, S. 322:Comme les discours dont je parle, soit panegyri-ques, soit dissertations, se font principalement pour leclat et laparade, je sais que, selon les regles de la saine rlietorique, on peuty etaler avec ponipe les richesses de leloquence, et que lart, quidoit se cacher ailleurs, peut se montrer ici avec plus de liberte.Mais cependant il faut le faire avec retenue, se Souvenir quün discourssolide et plein de choses empörte toujours les suffrages, ne pointchercher ä mettre partout de lesprit, jentends de cet esprit et deces pensees qui brillent comme le elinquant; et surtout eviter cestours affectes et ces especes de pointes qui peuvent plaire ä unemultitude ignorante, mais qui revoltent tout auditeur sense etjudicieux.