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in wie weit man den Charakter einer Periode aufgefasst, etwadie Hälfte der Schüler wenigstens manches gute zu sagen wissen.Jedenfalls aber würde es um das Eindringen in den Geist desclassischen Alterthums, um das Verständniss der Autoren vielbesser stehen, wenn man sich heute entschliessen wollte, Rollinfolgend die alte Geschichte wenigstens in II und Rhetoriquezu lehren.
Sehr beachtenswerth ist das folgende Bekenntniss eineseompetenten Sachkenners, eines französischen Pädagogen:*) „Heutzu Tage, wie zu der Zeit, wo wir Schüler waren, ist dasStudium der Geschichte in Paris und in den grossen Lyceender Provinz, welche auf Erfolge in den General - Concursenrechnen, wahrhaft verzehrend. Mit der Redaction und dem Be-halten der Lection des Professors ist nicht alles gethan. Dieserbezeichnet die Gegenstände der Lectüre, welche bisweilen mehrereBände für eine einzige Periode, ja für eine einzige Person aus-machen. Man wird lesen müssen die umfangreiche Histoire deLouvois, von Rousset, die Histoire von Colbert, von Clement, dieMisöre au temps de la Fronde, von Feillet. In dem Masse alsdie Gelehrsamkeit die Specialarbeiten über jede Periode unsererGeschichte und selbst der fremden Geschichte vermehrt, wirddie Aufgabe unserer Schüler grösser. Man muss alle Fragendes Concurses vorhersehen und auf allen Punkten bereit sein.Dürfen wir den allzu feurigen Eifer unserer Professoren an-klagen? Sind sie nicht mit Gewalt auf diesen Weg gestelltdurch die Themata der jährlichen Concurse? Hat man nicht imJahre 1878, Kindern der quatrieme die folgende Frage gegeben:„De l’armee chez les Romains, au temps des guerres puniques;Service militaire, mode de recrutement et d’avancement, distip-line, armement, taetique. Indiquer, parmi les causes de la
grandeur de Rome, celles qui se rapportcnt ä 1’armee.“?.
„Mit ungern gelehrten Cursen, welche mehr für die Faeultätenals für die Collegien passen, bilden wir einige frühzeitige Ge-lehrte, die Hoffnung der General-Concurse, aber wir könnennicht die Arbeit aller controlliren, und die grösste Zahl derSchüler geht aus unseren Händen unwissend und angeekelt vondem geschichtlichen Studium hervor.“
*) F. Deltour, inspecteur general de l’Instruction publique, inseiner interessanten Arbeit: „De l’enseignement secondaire classiqueen Allemagne et en France.“ Paris 1880. S. 33.