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Rollin als Pädagoge : ein Beitrag zur Geschichte der Pädagogik / von Gustav Völcker
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der Universität haben eine individuell selbständige Richtunggegen den mächtigen Schematismus nicht aufkommen lassen.Die erdrückende Gewalt all der genannten Missstände erzeugtein den Kreisen der französischen Schulmänner eine Indifferenz,die noch bis vor wenigen Decennien in eine demonstrative Ver-achtung der Wissenschaft der Pädagogik ausartete. Das WortPädagogik selbst fand man lächerlich, den Unterricht über einederartige Wissenschaft unnütz, denn es gebe keine Kunst,Menschen zu erziehen wie das Vieh oder die Bäume, keineDidaktik, welche den jungen Lehrern zugänglich sei, die sichwie die Geometrie demonstriren, wie die Geschichte erzählen lasse(Barrau, Verfasser einer von der Academie gekrönten Preis-schrift hat diese Ansichten ausgesprochen. Vergl. Hahn, S. 306und 307).

Aber man würde ungerecht sein, wollte man nicht aner-kennen, dass in der neuesten Zeit in den Kreisen der Universitätein ganz bedeutendes, aufrichtiges Streben nach Besserung sichzu erkennen gegeben. Kein Zweifel, wie die materiellen Erfolgeder dritten Republik Europas Bewunderung erregt haben, soist die Katastrophe von 1870 im Begriff auch eine geistigeRegeneration anzubahnen. Man hat auch auf dem pädagogischenGebiete Einkehr bei sich selbst gehalten,*) man hat alles ge-prüft und gefunden, dass des Guten nicht viel zu behalten ist.Ja der nationale Stolz hat es sogar gestattet, Umschau bei denandern Nationen zu halten und zu gestehen, dass man von dendeutschen Pädagogen sehr viel lernen könne. So meint z. B.Deltour in seiner schon angeführten Schrift S. 31, man erkenneaus allem was in den deutschen Gymnasien getrieben werdedie folgenden leitenden Grundgedanken: „Die Jugend nicht zu

*) Heber die seit 1870 in erfreulicher Weise hervortretendeThätigkeit auf pädagogischem Gebiete mögen folgende Notizen übererschienene Werke orientiren: Projet d’une reforme dans l’enseigne-ment des langues anciennes von Thery; Quelques mots sur l'instruc-tion publique en France, von Breal; La reforme de l'enseignementsocondaire, von Jules Simon; La reforme dans l’education, von Saugeon;Les etudes classiques et l’enseignement public, von Milsand; Etudesau jour le jour sur l’education nationale, von Pecaut; Histoire critiquedes doctrines de l’education en France depuis le seizieme siede;Essais sur l’instruction publique, von Lenormant; De l’enseignementsecondaire classique en Allemagne et en France, von Deltour. — Zuerwähnen ist auch, dass sich neuerdings eine Gesellschaft von Ge-lehrten und praktischen Schulmännern gebildet hat, die Societe pourl’etude des questions d’enseignemunt secondaire, die sich das Studiumder fremden Gymnasien und die Reform der französischen zur Aufgabegestellt hat.