5
Auszug aus einem Expose über die Organisation desgewerblichen Unterrichtes.
Jede organisatorische Wirksamkeit auf bisher brach gelegenem Gebiete fordertein Mass materieller Opfer aus dem Staatsschätze, das auch in Zeiten wirthsehaftlieherBlüthe zu erschöpfendem Nachweis der Nothwendigkeit solcher Action verpflichtet.Umso gewissenhafter muss wohl dieser Nachweis erbracht werden, wenn jeneorganisatorische Wirksamkeit in eine Periode ungünstiger Ergebnisse des Staats-haushaltes fallen soll. Dessen ist sich die Unterrichtsverwaltung klar bewusst, indemsie gegenwärtig die Organisation des gewerblichen Unterrichtswesens in Angriff nimmt.
Sie beginnt aber ihr Werk nicht, ohne vorher Vortheile und Nachtheile einerVertagung abgewogen zu haben. Und sie hat die Vortheile zu leicht befunden.
Es gibt Unterlassungen produktiver Ausgaben, die, durch karge Zeit bedingt,neue karge Zeit erzeugen. Indem die Unterrichtsverwaltung für eine Unterlassungsolcher Art die längere Aufschiebung der Organisation des gewerblichen Schul-wesens erklärt, darf sie darauf hinweisen, dass Österreich seinen Haushalt nichtin Isolirung führt und dass natürliche Gesetze seinem Zollgebiete Stellung undRivalitäten in der Weltwirthschaft vorschreiben.
Der weite Abstand aber zwischen dem gewerblichen Bildungswesen in Österreichund den mit ihm rivalisirenden Nachbarländern wird, statt sich zu verringern, einstets grösserer und grösserer werden, wenn die österreichische Unterrichtsverwaltungnoch länger in einer beengten finanziellen Lage bleibt, welche es ihr unmöglichmacht, einen rascheren und gleich massigeren Schritt anzuschlagen als bisher.
Abgesehen von der im Jahre 1865 in Wien von einem Privaten, F. Martens,gegründeten ßaugewerkschule, wurde nämlich von den aus Staatsmitteln errichtetenGewerbeschulen die erste, die Kunstgewerbeschule des k. k. österreichischenMuseums im Jahre 1867, sodaun die zweite, die k. k. Bau- und Maschinen-gewerbeschule in Wien, im Jahre 1870, die dritte, vierte und fünfte, diek. k. Gewerbeschulen zu Brünn, Bielitz und Czemowitz, im Jahre 1874 systemisirt.Im Jahre 1875 hat aus Ersparungsrüeksichten keine neue Systemisirung statt-gefunden.
Wenn hiemit etwa abermals eine vier-bis fünfjährige Pause in der Entwicklungunserer Gewerbeschulen eingetreten sein sollte, so müsste die Zukunft dieses wich-tigen Unterrichtszweiges in Österreich fast verloren gegeben werden. Denn vonanderer als von Seite des Staates ist keine irgend nennenswertlie schöpferischeWirksamkeit zu erwarten und das geringe Verständniss, welches bis jetzt in derMehrzahl der Fälle für diese Unterrichtsfrage sich gezeigt hat, lässt eine ausge-
i