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Auszug aus einem Exposé über die Organisation des gewerblichen Unterrichts in Österreich
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Expose über die Organisation des gewerblichen Unterrichtes.

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In Kreisen der königlich preussiselien Regierung' ist daher angeregt, umhieraus entspringende Nachtheile für den öffentlichen Unterricht zu verhüten, dieCommunalgewerbeschulen in die Staatsverwaltung zu übernehmen, ein Vorgang,welcher voraussichtlich den bereits heute bemerklichen Mangel an Lehrkräftensteigern und die ansehnlichen Bezahlungen tüchtiger Fachmänner noch mehr in dieHöhe treiben müsste. Endlich dürfte in nicht allzu ferner Zeit zu erwarten sein,dass man in Norddeutschland dem kunstgewerblichen Unterricht eifrigere Pflegezuwendet und dass sich hieran für Österreich Consecpxenzen knüpfen, welche anspäterer Stelle anzudeuten sein werden.

Durch die Gesammtheit der voranstehenden Ausführungen ist jedenfalls dargetlian,dass nicht nur die beaclitenswerthesten cultur- und socialpolitis eben Gesiclits-punete und nicht allein die durch den veränderten Charakter der Realschulehervorgerufenen staatspädagogischen Erwägungen eine Action der Regierung alsunaufschiebbar erscheinen lassen, sondern dass diese Action ebenso geboten ist durchdie Rücksicht auf die Rivalität mit den anderen Staaten des Welttheils und dieBedachtnahme auf eine wirksamere Förderung der Erwerbsfähigkeit desGewerbestandes, welche ja mit allen im Auslande angewandten Mitteln auch hierangestrebt werden muss, wenn die St euer kraft Österreichs künftig proportionalmit jener der Nachbarstaaten wachsen soll.

Von diesen Überzeugungen durchdrungen hat das Unterrichts-Ministerium alleVorbereitungen zur Errichtung mehrerer Staatsgewerbeschulen eingeleitet und indieser Beziehung nach verschiedenen Seiten Verhandlungen gepflogen, von welcheneinige bereits insoferne zu günstigen Ergebnissen geführt haben, als es gelang, dielocalen Factoren von der Nothwendigkeit einer baldigen Befriedigung des grossenöffentlichen Bedürfnisses zu überzeugen und sie zur Darbringung höchst bedeutenderOpfer für den Localitätenbedarf solcher neuer Schulen zu bewegen.

Die Auswahl der zunächst mit Gewerbeschulen zu versehenden Städte derMonarchie war insoferne keine leichte, als einerseits finanzielle Rücksichten dieBeschränkung auf nur 4 bis 5 Neugründungen im nächsten .Jahre auferlegen, undals andererseits auf einem Gebiete, wo nahezu Alles noch zu thun ist, naturgemässauch eine sehr bedeutende Zahl von wichtigeren Orten vorhanden sein muss,die sämmtlich gleich grosse Ansprüche auf eine Bedachtnahme Seitens der Regierungerheben können. Unter diesen, strengste Sichtung heischenden Verhältnissen wurdenur zwei Erwägungen Einfluss auf jene Auswahl eingeräumt. In erster Linie derRücksicht auf die geographische Lage der bisher schon vorhandenen Staatsgewerbe-schulen; und zwar in dem Sinne, dass selbst hervorragend wichtige Industriegebieteerst dann mit mehreren derartigen Lehranstalten zu bedenken sein werden, nachdemeine gleichmässigere Vertlieilung gewerblicher Bildungscentren über den Gesammt-staat durchgeführt sein wird, ein Grundsatz, welchen die Unterrichtsverwaltung umso lieber zur Richtschnur der Verwaltungsthätigkeit genommen sähe, als selbst in sehrindustriellen Gegenden eine Überfüllung der Gewerbeschulen erst in einem Zeitpuncteeintreten dürfte, wo eine gleichmässigere Vertheilung der Anstalten bereits statt-gefundenf hat.