Buch 
Auszug aus einem Exposé über die Organisation des gewerblichen Unterrichts in Österreich
Entstehung
Seite
25
JPEG-Download
 

Expose über die Organisation des gewerblichen Unterrichtes. 25

riehtung einer gewerblichen Lehranstalt während des Schuljahres 1874/5 ins Werkgesetzt.

Endlich meinte die Regierung auch in den südlich von der Hauptstadtliegenden Gebieten des Reiches mit den vorbereitenden Schritten zur Errichtungvon Staatsgewerbeschulen den Anfang machen zu sollen, und da von den hieftir ins Augezu fassenden Puneten, Triest, Görz, Marburg, Graz und Klagenfurt aus Rücksichtauf die Staatsfinanzen vorläufig wohl nur Einer zum Sitze einer solchen Schulegemacht werden kann, so schien Graz der geeignetste Ort, einerseits, weil dortdie Regierungsthätigkeit sehr entwicklungsfähige und bereits zum Theile durchStaatshilfe geschaffene Grundlagen vorfände, anderseits, weil diesem gemeinschaft-lichen Culturplatze einer deutschen und südslavjsch-italienischen Ländergruppeund selbst einiger benachbarter Gebiete der Stephanskrone eine gegen DUO Quadrat-meilen umfassende Wirkungssphäre auch als gewerbliche Bildungsstättefür so lange zukäme, als die Errichtung mehrerer Staatsgewerbeschulen in denAlpen- und Karstländern unterbliebe.

Die Zahl der zunächst zu errichtenden Anstalten betrüge also 5, und alsSitze derselben wären Prag, Reichenberg, Pilsen, Salzburg und Grazausersehen. Um jedoch den Staatsschatz bis zur äussersten Grenze des Zulässigenzu schonen, entschloss sich die Unterrichtsverwaltung allerdings nicht ohneBedenken zu einer weiteren Beschränkung auf das geringst mögliche Mass. undprojectirte ausser der Organisirung je einer Schule im Westen Salzburg undim Süden Graz für das nächste Schuljahr die Activirung von nur zweiAnstalten in Böhmen, einer utraquistischen in Prag und einer deutschen in Reichenberg,so dass also ein Erforderniss für die Gewerbeschule in Pilsen erst im Jahre 1877erwachsen würde.

An den 4 Lehranstalten, deren Organisirung sonach im nächsten Schuljahredurchgeführt würde, wären theils dreierlei, theils zweierlei Gruppen von Gewerbendurch Fachabtheilungen zu berücksichtigen. Doch wäre die Combination der Fächer,je nach localen Verhältnissen, eine verschiedene. Im Ganzen würden in solcherWeise viererlei Richtungen durch Fachschulen Vertretung finden: Die Maschineu-gewerbe (Metallarbeiter,Maschinenwärter, Monteure, Modelltischler,Kesselschmiede,Schlosser, Lokomotivführer, Mühlenbauer, Spinner, Wober u. s. wj, die chemischenGewerbe (Färber, Bleicher, Brauer, Droguisten, Seifensieder, Gerber, Werkführerin Zucker-, Glas- und Thonwaarenfabriken, Spiritusraffinerien u. s. w.), die Bau-gewerbe (Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Bautischler u. s. w.) und dieornamentalen Gewerbe (a)IIolzarbeiten: Möbeltischler, Drechsler, Schnitzer,Vergolder u. s. w.), b) Metallarbeiten: (Kunstschlosser, Giesser, Klempner,Ciseleure, Graveure, Bronze-, Silber- und Goldarbeiter u. s. w.), c) flacheDekoration: (Tapezierer, Zimmermaler, Buchbinder, Schriftenmaler u. s. w.)

Von diesen vier Richtungen würden in Prag drei die baugewerbliche,maschinen-technische und ornamentale, in Reichenberg drei die bau-,mascliinen- und chemisch-technische, in Salzburg und Graz je zwei diebaugewerbliche und ornamentale durch Fachschulen gepflegt werden.