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Expose über die Organisation des gewerblichen Unterrichtes.
In Prag, Salzburg und Graz würden diese Anstalten der Unterricbtsstufe nachals Wer kmeisterschulen *) einzurichten und die eventuelle Anfügung vonhöheren Gewerbeschulen der Zukunft vorzubehalten sein, in Reichenberg wiire vonAnbeginn mit der Werkmeisterschule eine höhere Gewerbeschule zu verbinden.
Tliebei kömmt zu bemerken, dass der an den bau-, maschinen- und chemisch-technischen Werkmeister- und höheren Gewerbeschulen zu behandelnde wissen-schaftliche Stoff zwar auf beiden Unterrichtsstufen der gleiche, das Lehrziel unddarum die Unterrichtsmethode aber verschieden ist, indem an der ersteren Cathegorievon Schulen Werkmeister, Bauführer, Poliere, Unternehmer oder Leiter kleinererEtablissements, Baumeister für bürgerliche und landwirtschaftliche Bauten aus-gebildet werden sollen, während die höhere Gewerbeschule den Zwecken solcherkünftiger Fabrikanten, Fahriksdirectoren, Baumeister u. s. w. zu dienen hat, welcheden weiten Studiengang durch Realschule und Polytechnikum zurückzulegen nichtin der Lage sind.
Aus den am Schlüsse dieses Exposes mitgetheilten Lehrplänen, sind dieEinzelnheiten der Einrichtung und des Unterrichtsganges solcher Fachschulen zuentnehmen. **) Und zwar stellen sich in diesen Lehrplänen 4 Combinationen dar:
I. Höhere G ewerbeschulen: 1. bau- und mechanisch - technische,2. bau- und chemisch-technische Abtheilungen.
II. Werk m eisters ch ule n: 1. bau- und mechanisch - technische, 2. bau-gewerbliche und ornamentale Abtheilungen. ***)
Eine chemisch-technische Specialabtheilung einer Werk m e isterschule gibtes bisher in ganz Österreich nicht, wesshalb in Reichenberg zwar für den chemisch-
*■) Als Gesammtbezeichnung für diese, die nächste Stufe unter den höheren Gewerbe-schulen einnehmenden l.thr.'tnst.'ilien wäre der Ausdruck „niedere Gewerbeschulen“ eigentlichnaturgemäss. Doch empfiehlt sich die Wahl dieses Namens aus dem Grunde nicht, weil in Österreichunter „niedern Gewerbeschulen“ fast allgemein die gewerblichen Sonntags- und Abendschulen (Fort-bildung?- und Fachctirse) verstanden werden, die Bevölkerung daher sich über eine so betitelte,neue Gattung von Schulen allzu schwer und langsam orientiren würde. In Deutschland wird derAusdruck „Werkmeisterschule“ in der Kegel nur für mechanisch- und chemisch-technische Schulengebraucht. Hier wird derselbe nun auch auf die andern gewerblichen Zweige — lediglich zur Be-zeichnung der Unterrichts stufe — ausgedehnt.
**) Hiebei ist zubemerken, dass diese Lehrpläne im Allgemeinen zur Directive für die Orga-nisation dienen, dass jedoch den Fachmännern, welche mit der Leitung der Gewerbeschulen betrautwerden, ein weitgehender Einfluss eingeräumt ist auf eine im Detail den localen Verhältnissen undden speciellen Uuterrichtsbediirfnissen möglichst entsprechende Gestaltung der Lehranstalten. DerLehrplan A wird in Brünn, B in Czernowitz, C in Brünn seit zwei Jahren durchgeführt. Lehrplan Dwird den Organisirungen in Graz und Salzburg zu Grunde zu legen sein. Lehrplan E stellt die angewerblichen Fortbildungsschulen im Zeichenunterrichte zu befolgenden Grundsätze auf.
***) Für die letztere Art von Schulen scheint es schwer, einen Titel zu finden, welcher derSache in allen Beziehungen entspricht. Von den in Betracht kommenden Namen: allgemeineGewerbeschule, Schule für Kunst- und Kleingewerbe, Gewerbezeichenschule,Schule für o r n am e n ta le Ge werbe wird keiner dem auszudriiekenden Begriffe nach jederRichtung hin gerecht. Die letztangeführte Bezeichnung wurde hier mit Rücksicht auf denjenigenUnterrichtszweig gewählt, welcher der Schule am eminentesten den fachlichen Character aufprägt.Genauere Orientirung über die Organisation dieser ornamentalen Fachabtheilungen ermöglichen diedem Lehrplane D beigegebenen Erläuterungen.