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Die Emancipation der Schüler, eine Forderung der Zeit : ein Wort an Eltern und Lehrer / von Jäger
Entstehung
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(§s war zu erwarten, obgleich die Schullehrer es nichtgeahnt zu haben scheinen, baß die Emancipation, welche sie zuihrer Devise machten, noch weiter gehen werde nnd daß auch nocheine Emancipation von ihrer Herrschaft angestrebt werden könne.Der badische Regierungsentwurf für die Neugestaltung des dortigenBolksschnlwesens gestattet in der Schule weder Schimpfwörter nochSchläge. Ersteres wird jeder gebildete Lehrer zugeben und keinesVerbots bedürfen, in Betreff des zweiten Punktes hat man auchin Württemberg mehrere öffentliche Stimmen vernommen, welcheschwere Anklagen gegen die Lehrer zunächst an höheren Bildungs-austalten erhoben. Merkwürdig ist darunter besonders eine Er-klärung, welche dem Lehrer das Recht der Bestrafung aus demGrunde abspricht, weil der Schüler in der Regel an Lückenim Wissen, an Langsamkeit des Verständnisses gar nicht schuldsei, sondern entweder die Natur oder die pädagogische Unzuläng-lichkeit seines früheren oder auch seines jetzigen Lehrers. Eineschöne Regel das nnd schöne Folgen die sich daraus ergeben! InZukunft wird also, wenn ein Schüler etwas nicht weiß, vor allemzu ermitteln sein, wer die Schuld davon trägt, beschämt wirdder Lehrer die Augen niederschlagen, doch es bleibt ihm noch derTrost, daß auch sein Kollega der vorhergehenden Klasse die Schuldtragen könnte, möglicherweise zuletzt auch der Schüler selbst. Jeden-falls wird eine Kommission niederzusetzen sein, welche in jedemeinzelnen Falle untersucht, ob diesmal die Schuld an dem Lehreroder dem Schüler liege. Glücklicher Weise gibt es hier ein ganzausreichendes Kriterium, von dem bisher mich jeder Visitator,Land auf und Land ab, Gebrauch gemacht hat, nemlich, wenndreißig etwas wissen, der ein nnd dreißigste weiß es aber nicht,so glaubte sich der Lehrer berechtigt seine Hände in Unschuld zuwaschen.