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Die Emancipation der Schüler, eine Forderung der Zeit : ein Wort an Eltern und Lehrer / von Jäger
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Engländer freut sich ohne Rückhalt über jeden Sieg seiner Waffen,ohne Furcht, daß diese Bajonette gegen ihn sich wenden könnten.

Doch unser Zweck ist keine politische Abhandlung. Wennwir von den Vorzügen unserer öffentlichen Erziehung sprechen, sowill das natürlich nicht so gemeint sein, daß dieselbe über jedenTadel erhaben wäre. Im Gegentheil je mehr die wirklichenSchäden aufgedeckt werden, *) um so mehr wird in Zukunft ge-leistet werden können, aber wenn man vorurtheilsvoll das Fremdehervorhebt, so schadet man dem Fortschritt auf dem betretenenWege. Namentlich wollten wir uns nachdrücklich gegen die Ten-denz aussprechen, welche die Leistungen unserer Erziehung für dieAusbildung des Individuums herabsetzt, denn wir können alleGröße des englischen Volkes anerkennen, ohne daß darum derDeutsche in irgend einer Beziehung moralisch oder intellektuell zu-rückzustehen hat. Eben weil dort das Nationalgefühl dem Indi-viduum so großen Vorschub leistet, so müssen wir durch Unter-richt und Erziehung dieses möglichst zu ersetzen suchen, und dürfenauch nicht meinen mit der dortigen Erziehung in einigen altbe-rühmten Instituten gefunden zu haben, worin Simsons Stärkeliege. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, daß dieses National-gefühl für die schöne, harmonische Ausbildung des Individuumseben so oft ein Nachtheil wird, indem es als lächerlicher Dünkelund Arroganz sich geltend macht, die in französischen und deutschenSchriften schon oft mit Recht gegeißelt worden sind.

Wir geben jedem Kinde eine herrliche Mitgäbe, den Schul-sack. Kein schönes Wort und doch eine Gabe von unschätzbaremWerthe. Dieses Söckchen wird jedem Kinde gefüllt mit dem,wovon man glaubt, daß es ihn: auf seiner Lebensreise am nütz-lichsten sein werde. Mancher zehrt davon sein Leben lang. Es ist dasOelkrügchen von Sarepta, das niemals leer wird, ja ich möchtees mit dem Hute eines Zauberers vergleichen, den derselbe vorden Augen der Gesellschaft mit den unscheinbarsten Dingen füllt, umaus demselben Hute dann duftende Blumen aller Art in unendlicher

*) Für jetzt hätte ich als einen Hauptmangel zu rügen, daß unsereBuben Röckchen tragen, nur im Wams ist der Knabe, was er sein soll undkann sich kuabenmäßig herumtummeln.