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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
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1. Beowulf.

Karl MUllenhoff nach H. Leo.

Beowulf war fast noch ein Knabe, da wettete er mit Brecca, seinemGenossen, im Schwimmen auf Leben und Tod. Es war Winter, dieSee war rauh und eisig; doch fünf Tage und fünf Nächte schwammenbeide gleich neben einander, das nackte Schwert in der Hand; da erhubsich ein Nordsturm und trennte sie. Brecca stieg bei den Schweden an'sLand und kehrte zurück in seine Heimat. Aber den Beowulf ergriffenMeeruntiere und wollten ihn zu Grunde ziehen; doch seine Brünne,der handgeflochtene Panzer, schützte ihn und er diente ihnen mitseinem Schwerte. Am Morgen lagen sie alle wund auf dem Rückender Wellen. So tötete er neun der Seeunholde und riesiger Nixe;da trug ihn die Flut bei den Finnen an's Land.

Nach dieser Zeit, da er dem Könige Hygelaac diente, erscholldas Gerücht vom Unglück Hroodgars, des Königs der Dünen. Derhatte eine Halle gebaut, größer und prächtiger als sonst eine unterdem Himmelsdache; Hirschburg nannte er sie, ihr Ruhm sollte ewigdauern. Da war täglich laut der Freude Getös, wenn der Königund seine Helden beim Mahle saßen auf der Metbank; da warHarfenklang. Doch nicht lange währte die Freude. Das fröhlicheLeben erbitterte Grendel, einen Unhold, der im Sumpfe wohnte; all-nächtlich, wenn der Edelinge Schar sorglos schlummerte, brach er indie Halle und fieng und mordete Hroodgars Helden. Kein Eisen ver-wundete ihn; zwölf Jahre dauerte die Feindschaft; der herrliche Baustand verödet; niemand wußte das Unheil zu wenden. Da hörteHygelaacs Degen daheim Grendels Taten. Sein Schiff hieß er rüstenund mit fünfzehn Genossen suchte er das Land der Dänen. Mit Ehrenempfieng ihn Hroodgar als einen nahen Verwandten; wohl waren ihm