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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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105
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Ein Pfeiflein zu rechter Zeit.

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seinen Flammen zusammen. Mehrere Leute waren da mit Haken undWassereimern, aber es war nichts anderes zu machen, als da zu stehenund zuzuschauen, wie die letzten Kohlenbrände in sich einstürzten. DasFeuer war nicht wütend, es brüllte nicht, es krachte nicht, es fuhrnicht wild in der Luft herum; das ganze Haus war Eine Flammeund die qualmte heiß und weich zum Himmel auf, von wannen siegekommen.

Eine kleine Strecke vom Brande war der Steinhaufen, auf welchemder Maxel die Steine der Sauerwiese zusammengetragen hatte. Andemselben saß er nun, der kleine, braune, blatternarbige Maxel, undsah auf die Glut hin, deren Hitze auf ihn herströmte. Er war halbangekleidet, hatte seinen schwarzen Sonntagsmantel, das einzige, waser gerettet, über sich gehüllt. Die Leute traten nicht zu ihm; meinVater wollte ihm gern ein Wort der Teilnahme und des Trostessagen, aber er getraute sich auch nicht zu ihm. Der Maxel lehnte soda, daß wir meinten, jetzt und jetzt müsse er aufspringen und einenschreckbaren Fluch zum Himmel stoßen und sich dann in die Flammenstürzen.

Und endlich, als das Feuer nur mehr auf dem Erdengrund herum-leckte und aus dem Aschen die kahle Mauer des Herdes aufstarrte, erhobsich der Maxel. Er schritt zur Glut hin, hob eine Kohle auf undzündete sich die Pfeife an.

Ich war damals doch noch klein und konnte nicht viel denken.Aber an das erinnere ich mich: als ich in der Morgendämmerung denKlein-Maxel vor seiner Brandstätte stehen sah und wie er den blauenRauch aus der Pfeife sog und von sich blies, da war mir in meinerBrust plötzlich heiß. Als ob ich es fühlte, wie mächtig der Menschist, um wie viel größer als sein Schicksal und es für das Fatumkeinen größeren Schimpf gäbe, als wenn man ihm in aller Seelen-ruhe Tabacksrauch in die Larve bläst.

Und als die Pfeife brannte, setzte er sich wieder auf den Stein-haufen und blickte in die Gegend hinaus. Was er gedacht hat, möchtetihr wissen? Ich auch.

Später hat der Klein-Maxel die Asche seines Hauses durchwühltund aus derselben sein Schlagbeil hervorgezogen. Er schaftete einenneuen Stiel an, er machte es an einem Schleifsteine der Nachbarschaftwieder scharf und gieng an die Arbeit. Seither sind viele Jahrevorbei. Um die Sauerwiese liegen heute schöne Felder und auf derBrandstätte steht ein neugegründeter Hof. Junges Volk belebt ihn undder Hausvater, der Klein-Maxel, lehrt seinen Söhnen das Arbeiten,erlaubt ihnen aber auch das Tabackrauchen. Nicht gar zu viel aberein Pfeiflein'zu rechter Zeit.