Buch 
Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
Seite
167
JPEG-Download
 

Die Akropolis.

167

Muscheln vom Strande von Marathon feil bietet. Die Lattentürschließt sich zwischen mir und meinen Verfolgern. Ich biege um denFels mit dem gemauerten Aufbau, der das Niketempelchen trägt, undjetzt befinde ich mich der leuchtenden Halle der Propyläen gerade gegen-über. Links unten sehe ich das verrammelte Beulv'sche Tor. Jenseitsdes Abhanges, der zu den Propyläen emporführt, da wo man zurKlepsydra hinunter steigt, erhebt sich ein turmartiges Postament, daseinst eine Bildsäule des Agrippa trug. Wodurch sich dieser um Athenverdient gemacht, weiß niemand; dadurch, daß seine Statue auf diesemTurme vor die Propyläen hingestellt wurde, jedenfalls nicht.

Wir stehen auf dem Abhang, über den einst in hellenischer Zeitdie Festzüge zur Burg hinaufwallten. Die obere Hälfte des Abhangeszeigt sich als ein unebener, durch Menschenhand vielfach gefurchter Fels.In der untern Hälfte finden wir alte Marmorstücke zu Treppen zu-sammengefügt oder dann ungangbare steile Hänge, Löcher u. dgl. biszu dem vernagelten Tor. Da und dort treten Marmorplatten hervor,die sich an ihrer ursprünglichen Stelle zu befinden scheinen. DemHinaufsteigenden zur Rechten führt an der stark vorspringenden Bastiondes Niketempels eine schöne neue Marmortreppe bis zum untern Ansatzder Propyläen.

Dieser wundervolle Bau schließt den ganzen Westabhang desHügels ab. Sowohl gegen den Abhang als gegen den eigentlichenBurgraum hin betritt man denselben durch eine dorische Säulenhalle;hinter den Mittelsäulen des vorderen Einganges, die den Hauptwegeinschließen, stehen noch je drei ionische Säulen. Die eigentliche Tor-mauer hat fünf Türöffnungen, von denen die mittlere ein mächtigesPortal, die beiden äußersten kleinere Pforten sind. Zu den Torenführen von der vorderen westlichen Säulenhalle nochmals Stufen; nurder Hauptweg in der Mitte zeigt deren keine, sondern geht eben unterdem Tore durch. Es kann das ein Beweis dafür sein, daß sich überden erwähnten Abhang hinauf in großen Krümmungen ein Fahrwegwand, der dem ganzen Festzuge samt Roß und Wagen Zutritt ver-stattete. Die Kapitelle sowie die Stücke der flachen Decke liegen amBoden oder hinter dem Gebäude, in guter Ordnung aufgeschichtet.Die Decke zeigte Marmorplatten mit blau bemalten Kassetten, in derenMittelgrund ein goldener Stern prangte.Künstliche Himmel ruhnauf schlanken ionischen Säulen", sagt Schiller imSpaziergang".Zwei mächtige Flügelgebäude, von denen das südliche nicht ganz fertiggebaut wurde, springen gegen den Aufgang vor.

Aus der Nähe wie aus der Ferne, überall wirkt der schimmerndeTorbau gleich mächtig. Und denken wir ihn uns noch in der Prachtder Farben, mit den schönen farbigen Ornamenten der Kapitelle und