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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Zwingli.

des innern Seelenlebens erschütterten. Da er sich nie so unbedingtdem bestehenden Kirchenwesen hingegeben, so hatte er sich auch jetztnicht niit so gewaltsamer und schmerzlicher Anstrengung loszureißen.Was ihn zum Reformator machte, war nicht jenes tiefere Verständnisder Idee des Glaubens und ihres Verhältnisses zur Erlösung, vonwelchem Luther ausgegangen, sondern vor allem, daß er bei seinemwahrheitsuchenden Studium der Schrift Kirche und Leben mit demallgemeinen Inhalt derselben in Widerspruch begriffen sah. Auch warZwingli kein Universitätsgelehrter; die herrschenden Lehrmeinungenhatte er niemals ernstlich geteilt; eine hohe Schule umzubilden, fest-haltend an allem, was sich erhalten ließ, und abweichend nur in denwesentlichsten Punkten, war nicht sein Beruf. Die Aufgabe seinesLebens sah er vielmehr nur darin, die Republik, die ihn aufgenommen,religiös und sittlich umzubilden, die Eidgenossenschaft zu ihren ur-sprünglichen Grundsätzen zurückzuführen. Wenn Luther vor allem eineVerbesserung der Lehre beabsichtigte, welcher Leben und Sitte dannvon selbst nachfolgen müsse, so nahm Zwingli einen unmittelbarenAnlauf auf die Verbesserung des Lebens; er faßte vornehmlich diepraktische Bedeutung des allgemeinen Inhalts der Schrift in's Auge;seine ursprünglichen Gesichtspunkte waren moralisch-politischer Natur;es ist kein Zweifel, daß auch sein religiöses Bestreben hierdurch eineeigentümliche Färbung empfieng.

Mit der Kirche zugleich sein Vaterland von den verderblichstenMißbräuchen zu reinigen, das hatte er sich zur Aufgabe gemacht. Erhätte die kirchliche Reform nicht durchführen können ohne die Politische,die politische nicht ohne die kirchliche. Nur der gemeinschaftliche Fort-gang von beiden entsprach seinen ursprünglichen Gedanken.

II.

Karl Rudolf Hagenbach.

Als endlich der Zwiespalt der Kantone unheilbar geworden unddie fünf Orte (Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug) mit acht-tausend Mann aufgebrochen waren, rückte diesen eine Vorhut vonZürich nach Kappel entgegen. Den 11. Oktober 1531 kam es zumersten Treffen; Zwingli als einer der vordersten in der Schar derKämpfenden. Bis auf den letzten Augenblick war er es gewesen, derzum Kampfe geraten und so war es auch billig, daß er sich ihmnicht entzog. Es war, als ob er eine Ahnung hätte, daß er bleibenwürde; denn als er unter häufigem und inbrünstigem Gebet mit demBanner auszog,da redete er mit seinen vertrauten Freunden dermaßen,daß man an seiner Rede wohl merkte, er hoffe nicht mehr heimzukehren."