Die Schlacht bei Lätzen.
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Kaiserlichen: „Jesus Maria!" Gegen elf Uhr fängt der Nebel an,sich zu zerteilen und der Feind wird sichtbar. Zugleich sieht manLützen in Flammen stehen, auf Befehl des Herzogs in Brand gesteckt,damit er von dieser Seite nicht überflügelt würde. Jetzt tönt dieLosung; die Reiterei sprengt gegen den Feind und das Fußvolk istim Anmarsch gegen die Gräben.
Von einem fürchterlichen Feuer der Musketen und des dahintergepflanzten groben Geschützes empfangen, setzen diese tapferen Bataillonsmit unerschrockenem Mut ihren Angriff fort; die feindlichen Musketiereverlassen ihren Posten, die Gräben sind übersprungen, die Batterieselbst wird erobert und sogleich gegen den Feind gerichtet. Sie dringenweiter mit unaufhaltsamer Gewalt; die erste der fünf friedländischenBrigaden wird niedergeworfen, gleich darauf die zweite, und schonwendet sich die dritte zur Flucht; aber hier stellt sich der schnellgegenwärtige Geist des Herzogs ihrem Andrang entgegen. Mit Blitzes-schnelligkeit ist er da, der Unordnung seines Fußvolkes zu steuern undseinem Machtwort gelingt's, die Fliehenden zum Stehen zu bewegen.Von drei Kavallerieregimentern unterstützt, machen die schon geschlagenenBrigaden auf's neue Front gegen den Feind und dringen mit Machtin seine zerrissenen Glieder. Ein mörderischer Kampf erhebt sich, dernahe Feind gibt dem Schießgewehr keinen Raum, die Wut des An-griffs keine Frist mehr zur Ladung; Mann ficht gegen Mann, dasunnütze Feuerrohr macht dem Schwert und der Pike Platz und dieKunst der Erbitterung. Ueberwältigt von der Menge, weichen endlichdie ermatteten Schweden über die Gräben zurück und die schon er-oberte Batterie geht bei diesem Rückzug verloren. Schon bedeckentausend verstümmelte Leichen das Land und noch ist kein Fuß breitErde gewonnen.
Indessen hat der rechte Flügel des Königs, von ihm selbst an-geführt, den linken des Feindes angefallen. Schon der erste macht-volle Andrang der schweren finnländischen Kürassiere zerstreute dieleicht berittenen Polen und Kroaten, die sich an diesen Flügel an-schlössen und ihre unordentliche Flucht teilte auch der übrigen ReitereiFurcht und Verwirrung mit. In diesem Augenblick hinterbringt mandem König, daß seine Infanterie über die Gräben zurückweiche undauch sein linker Flügel durch das feindliche Geschütz von den Wind-mühlen aus furchtbar geängstigt und schon zum Weichen gebrachtwerde. Mit schneller Besonnenheit überträgt er dem General von Horn,den schon geschlagenen linken Flügel des Feindes zu verfolgen und erselbst eilt an der Spitze des Stenbockischen Regiments davon, derUnordnung seines eigenen linken Flügels abzuhelfen. Sein edles Roßträgt ihn pfeilschnell über die Gräben; aber schwerer wird den nach-