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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Lenore.

15.Wir satteln nur um Mitternacht,

Weit ritt ich her von Böhmen.

Ich habe spät mich aufgemachtUnd will dich mit mir nehmen."

Ach, Wilhelm, erst herein geschwind!

Den Hagedorn durchsaust der Wind.

Herein, in meinen Armen,

Herzliebster, zu erwärmen!""

16.Laß sausen durch den Hagedorn,

Laß sausen, Kind, laß sausen!

Der Rappe scharrt, es klirrt der Sporn;

Ich darf allhier nicht Hausen.

Komm, schürze, spring' und schwinge dichAuf meinen Rappen hinter mich!

Muß heut noch hundert MeilenMit dir in's Brautbett eilen."

17.Ach! wolltest hundert Meilen nochMich heut in's Brautbett tragen?

Und horch! es brummt die Glocke noch.

Die eilf schon angeschlagen!""

Sieh' hin, sieh' her! der Mond scheint hell.

Wir und die Toten reiten schnell.

Ich bringe dich, zur Wette,

Noch heut' in's Hochzeitbette."

18.Sag' an, wo ist dein Kämmerlein?

Wo, wie dein Hochzeitbettchen?""

Weit, weit von hier!_ still, kühl und klein!...

Sechs Bretter und zwei Brettchen!"

Hat's Raum für mich?""Für dich und mich!Komm, schürze, spring' und schwinge dich!

Die Hochzeitgäste hoffen!

Die Kammer steht uns offen!"

19. Schön Liebchen schürzte, sprang und schwangSich auf das Roß behende;

Wohl um den trauten Reiter schlangSie ihre Lilienhände;

Und hurre hurre, hopp hopp hopp!

Gieng's fort in sausendem Galopp,

Daß Roß und Reiter schnobenUnd Kies und Funken stoben.