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Lenore.
15. „Wir satteln nur um Mitternacht,
Weit ritt ich her von Böhmen.
Ich habe spät mich aufgemachtUnd will dich mit mir nehmen." —
„„Ach, Wilhelm, erst herein geschwind!
Den Hagedorn durchsaust der Wind.
Herein, in meinen Armen,
Herzliebster, zu erwärmen!"" —
16. „Laß sausen durch den Hagedorn,
Laß sausen, Kind, laß sausen!
Der Rappe scharrt, es klirrt der Sporn;
Ich darf allhier nicht Hausen.
Komm, schürze, spring' und schwinge dichAuf meinen Rappen hinter mich!
Muß heut noch hundert MeilenMit dir in's Brautbett eilen." —
17. „„Ach! wolltest hundert Meilen nochMich heut in's Brautbett tragen?
Und horch! es brummt die Glocke noch.
Die eilf schon angeschlagen!"" —
„Sieh' hin, sieh' her! der Mond scheint hell.
Wir und die Toten reiten schnell.
Ich bringe dich, zur Wette,
Noch heut' in's Hochzeitbette." —
18. „„Sag' an, wo ist dein Kämmerlein?
Wo, wie dein Hochzeitbettchen?"" —
„Weit, weit von hier!_ still, kühl und klein!...
Sechs Bretter und zwei Brettchen!" —
„„Hat's Raum für mich?"" — „Für dich und mich!Komm, schürze, spring' und schwinge dich!
Die Hochzeitgäste hoffen!
Die Kammer steht uns offen!" —
19. Schön Liebchen schürzte, sprang und schwangSich auf das Roß behende;
Wohl um den trauten Reiter schlangSie ihre Lilienhände;
Und hurre hurre, hopp hopp hopp!
Gieng's fort in sausendem Galopp,
Daß Roß und Reiter schnobenUnd Kies und Funken stoben.