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Kassandra.
Schwingt sie in gewalt'gen HändenHoch wie einen leichten Ball,
Und mit Hermes, dem behenden,Türmet er der Mauern Wall.
22. Aber aus den goldnen SaitenLockt Apoll die Harmonie
Und das holde Maß der ZeitenUnd die Macht der Melodie.
Mit neunstimmigem GesängeFallen die Kamönen ein;
Leise nach des Liedes KlängeFüget sich der Stein zum Stein.
23. Und der Tore weite FlügelSetzet mit erfahrner HandCybele und fügt die Riegel
Und der Schlösser festes Band.Schnell durch rasche GötterhändeIst der Wunderbau vollbracht.
Und der Tempel heitre WändeGlänzen schon in Festes Pracht.
24. Und mit einem Kranz vonNaht die Götterkönigin, fMyrtenUnd sie führt den schönsten HirtenZu der schönsten Hirtin hin.Venus mit dem holden KnabenSchmücket selbst das erste Paar,Alle Götter bringen GabenSegnend den Vermählten dar.
25. Und die neuen Bürger ziehen.Von der Götter sel'gem ChorEingeführt, mit Harmonien
In das gastlich offne Tor;
Und das Priesteramt verwaltetCeres am Altar des Zeus,Segnend ihre Hand gefaltetSpricht sie zu des Volkes Kreis:
26. „Freiheit liebt das Tier der
Wüste,
Frei im Aether herrscht der Gott,Ihrer Brust gewalt'ge LüsteZähmet das Naturgebot;
Doch der Mensch in ihrer MitteSoll sich an den Menschen reih'n.Und allein durch seine SitteKann er frei und mächtig sein."
27. Windet zum Kranze die gol-
denen Aehren,Flechtet auch blaue Chanen hinein!Freude soll jedes Auge verklären.Denn die Königin ziehet ein.
Die uns die süße Heimat gegeben.Die den Menschen zum Menschengesellt;
Unser Gesang soll sie festlich er-heben,
Die beglückende Mutter der Welt!
51. Kassandra.
Friedrich Schiller.
1. Freude war in Trojas Hallen, eh' die hohe Feste fiel;Jubelhymnen hört man schallen in der Saiten goldnes Spiel.
Alle Hände ruhen müde von dem tränenvollen Streit,
Weil der herrliche Pelide Priams schöne Tochter freit.
2. Und geschmückt mit Lorbeerreisern, festlich wallet Schar auf ScharNach der Götter heil'gen Häusern, zu des Thymbriers Altar.
Dumpf erbrausend durch die Gassen wälzt sich die bacchant'sche Lust,Und in ihrem Schmerz verlassen war nur eine traur'ge Brust.