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Das Siegesfest.
8. Ja, der Krieg verschlingt die Besten! Ewig werde dein gedacht,Bruder, bei der Griechen Festen, der ein Turm war in der Schlacht.Da der Griechen Schiffe brannten, war in deinem Arm das Heil;
Doch dem Schlauen, Vielgewandten ward der schöne Preis zu Teil.
Friede deinen heil'gen Resten!
Nicht der Feind hat dich entrasst,
Ajax fiel durch Ajax' Kraft.
Ach, der Zorn verderbt die Besten!
9. Dem Erzeuger jetzt, dem großen, gießt Neoptolem des Weins:Unter allen ird'schen Losen, hoher Vater, preis ich dein's.
Von des Lebens Gütern allen ist der Ruhm das höchste doch;
Wenn der Leib in Staub zerfallen, lebt der große Name noch.
Tapfrer, deines Ruhmes SchimmerWird unsterblich sein im Lied;
Denn das ird'sche Leben fliehtUnd die Toten dauern immer.
10. Wenn des Liedes Stimmen schweigen von dem überwundnen Mann,So will ich für Hektorn zeugen, hub der Sohn des Tydeus an; —Der für seine Hausaltäre kämpfend ein Beschirmer fiel —
Krönt den Sieger größre Ehre, ehret ihn das schönre Ziel.
Der für seine HausaltäreKämpfend sank ein Schirm und Hort,
Auch in Feindes Munde fortLebt ihm seines Namens Ehre.
11. Nestor jetzt, der alte Zecher, der drei Menschenalter sah,
Reicht den laubumkränzten Becher der betränten Hekuba:
Trink' ihn aus, den Trank der Labe, und vergiß den großen Schmerz!Wundervoll ist Bacchus' Gabe, Balsam für's zerriss'ne Herz.
Trink' ihn aus, den Trank der Labe,
Und vergiß den großen Schmerz!
Balsam für's zerrissne Herz,
Wundervoll ist Bacchus' Gabe.
12. Denn auch Niobe, dem schweren Zorn der Himmlischen ein Ziel,Kostete die Frucht der Aehren und bezwäng das Schmerzgefühl.
Denn so lang' die Lebensquelle schäumet an der Lippen Rand,
Ist der Schmerz in Lethes Welle tief versenkt und festgebannt.
Denn so lang' die LebensquelleAn der Lippen Rande schäumt,
Ist der Jammer weggeträumt,
Fortgespült in Lethes Welle.