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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Sandwirt Hofer.

55 Und er sieht das Hüttchen trauern,

Das ihn hegte mit den Seinen;

Hört davor die Linde schauernUnd den Bach vorüberweinen. 90

Pochst du lauter nach den Bahnen60 Kühner Taten, junges Herz?

Oder zieht das süße MahnenDich der Liebe heimatwärts?

Also steht er unentschlossen, 95

Während dort Geworbn« schon65 Zieh'n in's Feld auf flinken Rossen,Lustig mit Trommetenton.

Komm in unsre Reiterscharen!"

Fällt der Werber jubelnd ein; 100

Schönes Leben des Husaren!

70 Das ist Leben, das allein!"Jünglings Augen flammen Heller,

Seine Pulse jagen schneller.-

Plötzlich zeigt sich mir im Kreise 105Eine finstere Gestalt,

75 Liesen Ernstes, schreitet leiseUnd beim Werber macht sie Halt.

Und sie flüstert ihm so dringendEin geheimes Wort in's Ohr, .

Daß er, hoch den Säbel schwingend, 11080 Wie begeistert loht empor.

Und der Dämon schwebt zur Bande,Facht den Eifer der MusikMächtig an zum stärksten BrandeMit Geraun' und Geisterblick.

85 Aus des Basses Sturmgewittern, 115Mit unendlich süßem Sehnen,

Mit der Stimmen weichem ZitternSingen Geigen, Grabsirenen.

Und der Finstre schwebt enteilendDurch der Lauscher dichte Reihe,Nur am Jüngling noch verweilend,Wie mit einem Blick der Weihe.Bald im ungestümen WerbenWird der Liebe Klagelaut,

Wird das Bild der Heimat sterben.Arme Mutter! Arme Braut!

In des Jünglings letztes WankenBricht des Werbers rauhes Zanken,Lacht des Werbers bitt'rer Hohn:Bist wohl auch kein Heldensohn!Bist kein echter Ungarjunge!

Feiges Herz! so fahre hin!"

Seht, er stürzt mit raschem SprungeZorn und Scham der Wange GlühnHin zum Werber; von der RechtenSchallt der Handschlag in den Lüften,Und er gürtet, kühn zum Fechten,Schnell das Schwert sich um dieHüften.

Wie beim SonnenuntergangeHier und dort vom SaatgefildStill waldeinwärts schleicht dasWild,

Also von der Ungarn WangeFlüchtet in den Bart herabStill die scheue Männerzähre.

Ahnen sie des Jünglings Ehre?Ahnen sie sein frühes Grab?

72. Sandwirt Hofer.

Julius Mosen.

1. Zu Mantua in BandenDer treue Hofer war.

In Mantua zum TodeFührt ihn der Feinde Schar;

Es blutete der Bruder Herz,

Ganz Deutschland, ach! in Schmachund Schmerz,

Mit ihm das Land Tirol.

2. Die Hände auf dem RückenAndreas Hofer giengMit ruhig festen Schritten,

Ihm schien der Tod gering,

Der Tod, den er so manchesmal

Vom Jselberg geschickt in's Tal,Im heil'gen Land Tirol.