Wanda.
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12. Der Liebling der FrauenNahm, sich zu beschauen,
In Züchten sein silbernes Spieglein hervor.
Besah in der WildnisSein schreckliches Bildnis
Und fluchte: „„Potz Blitz! Ich bin Ludwig der Mohr!"
86. Wanda.
Paul Heyse.
1. Sie ritt an's eiserne Gittertor,Sie ritt auf weißem Roß,
Die Polenfürstin WandaMit ihrer Grafen Troß.
2. Und drauß im Feld, wie schim-
mert's
Von Waffen und Zelt an Zelt!Das ist der Alemanne,
Der keck vor Krakau hält.
3. Beredte Werber sandt' er
jüngst.
Die Heidin ihm zu frei'n.
Die Maid beschied sie schnöde,Wollt' nimmer des Christen sein.
4. Und willst nicht sein des Christen
Weib,
So werde des Christen Raub!
Da wirbelten seine RosseDes Heidenlandes Staub.
5. Sie hielt am eisernen GittertorUnd späht in's weite Gefild,
„Wer reitet dort so stattlich,
So hoch und stolz und wild?
6. Die braunen Locken lustig
weh'n,
Das Antlitz seh' ich kaum;
Nur dieser Augen LeuchtenBezwingt mich wie ein Traum." —
7. ,,„O Fürstin, das ist Rithiger,Der deine Stadt bedroht!
Sieg unsrer holden Herrin,
Dem Christenhunde Tod!""
8. Die schöne stolze KöniginErseufzte tief und stumm,
Sah einmal noch durch's GitterUnd warf ihr Roß herum.
9. Sie ritt die Straßen auf und ab.Ritt ohne Rast und Ruh.
Es bluten des Zelters Weichen,
Es blutet ihr Herz dazu.
10. Und wie die Nacht die Flügel
schwingt,
Sie trägt es fürder nicht;
Sie sprengt zur WeichselbrückeEinsam im Mondenlicht
11. Und ruft zum Mond und ruft
zur Nacht
Und ruft zum Fluß hinab:
„Ihr alten großen Götter,
Gönnt mir ein freies Grab!
12. Mein Herz war ohne Wall und
Wacht,
Da schlich der Feind hinein;
Mein Mut ist mir geschmolzenAls wie ein Schnee im Mai'n.
13. Ich ließe den Feind wohl in die
Stadt,
Den neuen Gott zugleich —
Ihr alten großen Götter,
Ein Opfer bring' ich euch!" jfRoß,
14. SiesporntmitMachtihrweißesDer Strom schlingt sie hinab;
Da ist sie tief versunken
Im freien Heidengrab.