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Mignon. — Grenzen der Menschheit.
89. Mignon.
Johann Wolfgang Goethe.
1. Kennst du das Land, wo die Citronen blvh'n.
Im dunkeln Laub die Goldorangen glüh'n,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, zieh'n!
2. Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach,Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach
Und Marmorbilder steh'n und seh'n mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht' ich mit dir, o mein Beschützer, zieh'n!
3. Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg,
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brüt,
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut.
Kennst du ihn wohl?
Dahin! Dahin
Geht unser Weg! O Vater, lass' uns zieh'n!
Wenn der uralteHeilige Vater
9V. Grenzen der Menschheit.
Johann Wolfgang Goethe.
: uralte 15 Und berührt
5 Segnende Blitze
Mit gelassener Hand
Aus rollenden Wolken
Mit dem Scheitel die Sterne,Nirgends haften dannDie unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielen
Ueber die Erde sä't,Küss' ich den letztenSaum seines Kleides,Kindliche Schauer
20 Wolken und Winde.
Markigen KnochenAuf der wohlgegründetenDauernden Erde,
Steht er mit festen
10 Treu in der Brust.
Denn mit GötternSoll sich nicht messenIrgend ein Mensch.Hebt er sich aufwärts
25 Reicht er nicht auf,Nur mit der EicheOder der RebeSich zu vergleichen.