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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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381
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Sonnenuntergang. Das Schloß Boncourt.

381

100. Sonnenuntergang.

Friedrich Hölderlin.

1. Wo bist du? Trunken dämmert die Seele mirVon aller deiner Wonne; denn eben ist's.

Daß ich gelauscht, wie goldner TöneVoll der entzückende Sonnenjüngling

2. Sein Abendlied auf himmlischer Leier spielt';Es tönten rings die Wälder und Hügel nach;

Doch fern ist er zu frommen Völkern,

Die noch ihn ehren, hinweggegangen.

101. Das Schloß Boneourt.

Adelbert Chamisso.

1. Ich träum' als Kind mich zurückeUnd schüttle mein greises Haupt;

Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder,

Die lang ich vergessen geglaubt?

2. Hoch ragt aus schatt'gen GehegenEin schimmerndes Schloß hervor,

Ich kenne die Türme, die Zinnen,

Die steinerne Brücke, das Tor.

3. Es schauen vom WappenschildeDie Löwen so traulich mich an.

Ich grüße die alten BekanntenUnd eile den Burghof hinan.

4. Dort liegt die Sphinx am Brunnen,

Dort grünt der Feigenbaum,

Dort hinter diesen FensternVerträumt' ich den ersten Traum.

5. Ich tret' in die BurgkapelleUnd suche des Ahnherrn Grab;

Dort ist's, dort hängt vom PfeilerDas alte Gewaffen herab.

6. Noch lesen umflort die AugenDie Züge der Inschrift nicht,

Wie hell durch die bunten ScheibenDas Licht darüber auch bricht.

7. So stehst du, o Schloß meiner Vüter,

Mir treu und fest in dem Sinn,

Und bist von der Erde verschwunden,

Der Pflug geht über dich hin!