392 Ebene von Marathon. — Grab des Themistokles. — Herbst.
Frauen:
2. Des Lenzes frischen Segen,
O Meister, bringen wir,Betränte Kränze legenWir fromm zu Füßen dir!
Männer:
3. Der in die deutsche LeierMit Engelsstimmen sang.
Ein überirdisch Feuer
In alle Seelen schwang;
6. Doch stille! horch!
4. Der aus der Bluse BlickenSelige Wahrheit las,
In ew'gen WeltgeschickenDas eig'ne Weh vergaß;
Frauen:
5. Ach, der an Herz und SitteEin Sohn der Heimat war,Stellt sich in unsrer MitteEin hoher Fremdling dar.
zu feierlichem Lauschen
Verstummt mit Eins der Festgesang:Wir hörten deines Adlerfittigs RauschenUnd deines Bogens starken Klang.
115. Ebene von Marathon.
Emanuel Geibel.
Halb von öden Gebirgen umkränzt streckt Marathons heil'geTalflur gegen des Meers schimmernde Bucht sich hinab.
Feierlich schweigt es umher, stumm kreisen die Adler und einsamUeber dem weiten Gefild schwebt der Gefallenen Ruhm.
116. Grab des Themistokles.
Emanuel Geibel.
Wo am zackigen Fels das Gewog sich brandend emporbäumt.Senkten die Freunde bei Nacht heimlich Themistokles' LeibIn heimatlichen Grund. Festgaben und LotengeschenkeBrachten sie dar und es floß reichlich die Spende des Weins.
5 Aber den Zorn des verblendeten Volks kleinmütig befürchtend,Stahlen sie leise sich heim, ehe die Dämm'rung erschien.Denksteinlos nun schlummert der Held; doch drüben im SpätrotRagt ihm, ein ewiges Mal, Salamis' Felsengestad.
117. Herbst.
Theodor Storm.
1. Schon iu's'Land der PyramidenFloh'n die Störche über's Meer;Schwalbenflug ist längst geschieden,Auch die Lerche singt nicht mehr.
2. Seufzend in geheimer KlageStreift der Wind das letzte Grün;Und die süßen SommertageAch, sie sind dahin, dahin!