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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Normännischer Brauch.

Ein Saphir, wie des Mägdleins Auge blau.

War in des jungen Grafen Ring gefügt;

Im andern glüht ein rosenroter Stein,

Recht wie des Knaben frisches Wangenblut.

Richard. Ein rosenroter Stein im gold'nen Reif,

Das war des Mädchens Schmuck? Verstand ich's wohl?Bald er. Ja, wie du sagst! Doch kommt's darauf nicht an.Schon wuchs der Knabe hoch und schlank herauf.

In Waffenspielen ward er früh geübt;

Schon tummelt er ein kleines schmuckes Roß.

Nicht soll er, wie der Vater, einst das MeerAuf abenteuerlicher Fahrt durchschweifen;

Beschirmen soll er einst mit starker HandDas mächtige Gebiet, die hohen Burgen,

Vereintes Erbium beider Grafenstämme.

Des jungen Ritters Bräutlein lag indesNoch in der Wieg' im dämmernden Gemach,

Von treuen Wärterinnen wohl besorgt.

Nun kam ein milder Frühlingstag in's Land;

Da trugen sie das ungeduld'ge Kind

Zum sonnig heitern Meeresstrand hinab

Und brachten Blum' und Muschel ihm zum Spiel.

Die See, von leisem Lufthauch kaum bewegt,

Sie spiegelte der Sonne klares BildUnd warf den Zitterschein auf's junge Grün.

Am Strande lag gerad' ein kleiner Kahn;

Den schmücken jetzt die Frau'n mit Schilf und BlumenUnd legen ihren holden Pflegling d'reinUnd schaukeln ihn am Ufer auf und ab.

Das Kindlein lacht, die Frauen lachen mit;

Doch eben unterm fröhlichsten GelächterEntschüpft das Band, daran sie spielend zieh'n.

Und als sie es bemerken, kann ihr Arm

Das Schifflein nicht vom Strande mehr erreichen.

So scheinbar still die See, so wellenlos,

Doch spült sie weiter stets den Kahn binaus.

Alan höret noch des Kindes herzlich Lachen;

Die Frauen aber seh'n verzweifelnd nachMit Händeringen, wildem Angstgeschrei.

Der Knabe, der sein Liebchen zu besuchenGekommen war und jetzt das leichte RoßAuf grüner Uferwiese tummelte,