Die Johannisnacht.
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Wenn lind der Hauch von Süden weht,Zur alten Heimat — doch zu spät!Das Vaterhaus ist längst verschwunden,Doch scheint, die Zunst steht noch zu diesenStunden.
Kupferschmied.
Wir schwirren um das helle LichtWie graues Nachtgcvögel dicht.
Das keinen Einlaß finden kann. —
Da flattert noch ein Schattenmann!
Ein Schlosserin Offizierstracht von 1649
tritt auf:
Manch' zierlich Gitter konnt' ich schmieden,Doch fand dabei ich nicht den FriedenUnd bin als Kriegsmann hingefahren.Wo man gelockt der Söldner Scharen.Hab' beim Savoyer Wacht gestandenUnd patroullirt in span'schen Landen,Im weiten Hof der Tuilerie'nMein nächtlich Werda! laut geschrie'n.Bin zu den Schweden dann gelaufenUnd tät mit den Panduren raufen;Zuletzt stand in DalmatiaIch als ein Leut'nant trotzig da.
Der für Venedigs RepublikUnd gutes Gold wagt sein Geschick.
Die Türken galt es zu verjagen.
Ich ward von Vieren dort erschlagen.Als ich allein hinausgegangen,
Ein wildes Hühnlein mir zu fangen.
Da lernt' ich heißen Brei zu essen.
Die Quadratur des Zirkels messen.Zwei hab' ich überecks erstochen,
Zwei sind im Ring herumgekrochenUnd ließen ihre SichelklingenMir schmählich durch die Sehnen dringen;Sie warfen mich vom Felsen munterHoch in des Meeres Schaum hinunter.Das Hühnlein, das davon geflattert.Ward von den Türken draus ergattert.
Ich aber dacht' im Untergeh'n:
Tätst du daheim am Schraubstock steh'n!
Ein Chirurgus
von 1757 mit langem Zopf und Degen:*
Hier ist das Haus zum schwarzen Garten,Ich klopf' und schell', doch kann ich warten.Verschlossen ist's und dunkel drin.
Wo sind denn die Gesellen hin.
Die hier beim Becher fröhlich saßenUnd des Examens Angst vergaßen?
Vom Pflasterstreichen, LaborirenErholten sich mit Commerziren?
He! Holla! — Wie bin ich genarrt!Nur Stüßis Fähnlein dorten knarrt.
Der steht noch auf dem Brunnenstein —Doch was dort sprudelt, ist kein Wein!
Die Schuster auch sind weggezogen.Die nachbarlich der Zunft gepflogen.Und weiland hier der Müller StubeIst finster, wie des Todes Grube;
Am Haus zwar noch das Wappen steht.Ein Mühlerad, das nicht mehr geht.
Was hat mich nun hierher getrieben?Wär' ich in meinem Sandloch blieben,Wo eine dürre Kiefer steht.
Durch die der Nachtwind pfeifend weht!
Doch halt! Verlier' die Hoffnung nicht!Dort bei den Schmieden ist noch Licht;Drum! Heut ja ist Johannitag,
Dort sind die Aerzte beim Gelag.
Doch, glaub' ich, ist vorbei der Schmaus.Da steht schon mancher vor dem Haus.
(Tritt näher.)
Oho! Die sind so dünn wie Luft!
Ich glaub', es ist ein Nebelduft.
Und an den schimmlig alten TrachtenMerkt man, wo diese übernachten.
Schwertseger.
He du, mit deinem Stiel im Nacken!Willst du uns an der Ehre packen?
* Die Aerzte waren, als die Zünfte politische Bedeutung hatten, behufs Aus-übung ihrer Rechte den Schmieden zugeteilt; sonst hatten sie ihre Stube im „SchwarzenGarten".