Vorwort ;sr dritte« Auflage.
Wenn ich recht gesehen habe, sind die Grundsätze, nach welchendieses Buch angelegt wurde, im allgemeinen gebilligt worden. Trotzetlichen Kopsschüttelns von Seite der alten Observanz, welche bekanntlichfür die Jugend eine ganz besondere Scheinwelt zurecht gemacht hat, istdasselbe von Lehrern und Schülern wohl aufgenommen worden und hatauch da und dort als Hausbuch Einlaß gefunden. Man anerkannte, daßhier die ausgefahrene Heerstraße verlassen worden, billigte es, daß auchmoderne Autoren, sowie solche fremder Literaturen zum Worte gekommensind, und daß durch Herbeiziehung einheimischer Dichter und Schrift-steller, endlich solcher Gegenstände, welche die Eigentümlichkeiten unseresLandes berühren, das Lesebuch zugleich ein vaterländisches Geprägezu gewinnen suchte.
Seinen Kreis zieht unser Lesebuch enger, als andere seinesgleichen.Leider ist das Fach des Deutschen an unsern Mittelschulen teilweiseimmer noch der alte Tummelplatz für Geschichte, antike Mythologie, Geo-graphie, Naturgeschichte, Technisches u. s. w. u. s. w. Damit sollte manendlich und gründlich aufräumen. Dem Deutsch-Unterricht am Gymna-sium, an der Industrie- und Realschule, am Seminar soll ein bestimmtesZiel vorgesteckt sein: er hat die Aufgabe, zum richtigen, klaren und ge-fälligen Ausdruck anzuleiten, den Schüler nach und nach in die Weltder deutschen Dichtung, Sage, des deutschen Volkstums einzuführen, denGeschmack zu bilden und vor andern: in unserer Jugend die heilige, oftso spärlich genährte Flamme der Begeisterung für das Ideale nicht er-löschen zu lassen. Demnach ist hier alles, was nicht eben dieser Be-stimmung dient, ausgeschlossen. Für jenes Encyklopädische sorgt dasLesebuch der Volksschule mehr als genügend; dasjenige der höheren Lehr-anstalten hat sich zu beschränken.