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Einfluß der schönen sprachlichen Formen soll auch die Sprachfähigkeitund Gestaltungskraft des Schülers fördern. Um diesen Absichten zu ge-nügen, wurden neben den Stücken gewöhnlichen Umfangs einerseits ganzkleine aufgenommen, an denen der Lehrer um ihrer Kürze willen amehesten die sprachliche Gestaltung erläutern, Verkürzung und Erweiterung,Bei- und Unterordnung der Gedanken rc. zeigen und üben und auch diesund jenes auswendig lernen lassen kann, — der beste Weg, Muster-stücke sprachlich gewinnbringend zu machen. Anderseits fanden auch meh-rere Stücke von bedeutenderem Umfang Aufnahme, damit der Schüler,der nun bald auf eigenen Bildungserwerb durch selbständige Lektüreangewiesen ist, in der Schule noch praktische Anleitung hiezu erhalte.
Den Lernstoff für die Realsächer, nämlich leitfadenmäßige Zu-sammenfassungen und Übersichten, wollten die Verfasser nicht aufnehmen,wohl aber eine größere Auswahl anschaulicher, möglichst episch gestalte-ter Bilder aus der gesamten Weltkunde. Auf lückenlose Reihenfolgeoder irgendwelche Vollständigkeit mußten wir dabei verzichten; solche mußeinem eigentlichen Realienbuche vorbehalten bleiben. — Der Jugend-freund bietet nun Litterarisches und Realistisches in ungefährgleichem Umfange.
Die Zusammenfassung des Stoffes für zwei bis drei Schuljahre ineinen Band dürfte verschiedene Vorteile gewähren: der Lehrer hat einemannigfaltigere Auswahl; der Schüler wird eher heimisch darin, als wenner nach jedem Jahre sein Lesebuch wechseln muß; und im Unterricht kannman auch wieder auf früher Gelerntes zurückgreifen, was von großemWerte ist. — Ferner haben die Verfasser nicht einen poetischen Teilvon einem prosaischen geschieden, als ob Poesie und Prosa einanderim Leben gar nichts angingen, auch nicht die geographischen Bilder vonden geschichtlichen rc., also auch nicht nach Schulfächern gruppiert, sondernsie haben einen allgemeinen Plan durchs ganze Buch hindurch festgehal-ten und innerhalb desselben in Gruppen das aneinandergereiht, wasseiner Natur nach zusammengehört. Der Jugendfreund möchte — nachAltmeister Wackernagels schönem Bilde — einem schmucken Gartengleichen, der neben dem Großen und Starken auch Kleines und Zier-liches, zwischen dem Nützlichen auch das Liebliche, Duftige, Schöne inangenehmer Abwechslung bietet; denn „in der Verbindung ist Poesie".Die eigentliche Konzentration dessen, was jeder Tag erfordert, muß derLehrer doch in jedem Falle selber machen, und dem praktischen Be-