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Ich sah aber auch den tausendfachen Segen und Frieden in denstillen Hütten der Frommen. Es ist ihnen wohl bei dem, was siehaben. Bei wenigem ist ihnen wohl, und bei vielem sind sie genüg-sam. Arbeit in ihren Händen und Ruhe in ihrem Herzen, das istdas Teil ihres Lebens. Sie genießen froh das ihrige und begehrennicht, was ihrem Nächsten gehöret. Der Hochmut plagt sie nicht,und der Neid verbittert ihnen ihr Leben nicht; darum sind sie immerfroher und zufriedener und mehrenteils auch gesunder als die Gott-losen. Sie besitzen auch des Lebens Notwendigkeit sicherer und ruhiger;denn sie haben ihren Kopf und ihr Herz nicht bei Bosheiten, sondernbei ihrer Arbeit und bei den Geliebten ihrer stillen Hütten. So istihnen wohl im Leben. Gott im Himmel sieht herab auf ihre Sorgeund auf ihren Kummer und hilft ihnen.
Kinder meines Dorfes, o ihr Lieben! Ich sah viele frommeArme auf ihrem Totenbette, und ich habe nicht gefunden, daß einer,ein einziger von allen, in dieser Stunde sich über seine Armut undüber die Not seines Lebens beklagte. Alle dankten Gott für die tausendProben seiner Vatergüte, die sie in ihrem Leben genossen hatten.
». Gottes Wille
Ferd. Stolle.
^ieh die Rose in ihrer Pracht,den Stern der stillen Frühlingsnacht;die Nachtigall schlägt im Buchcnhain —Gott will, sein Kind soll glücklich sein.
Gr legte dir in Geist und Herzetwas, das zieht dich himmelwärts;laß drum dich irren nicht irdische Pein —Gott will, auch du sollst glücklich sein.
Folge getrost dem innern Stern,der dir beleuchtet den Pfad des Herrnser führt durch Nacht zum Licht dich ein —Gott will, auch du sollst glücklich sein.
Mas kommen mag, o fürcht' es nicht,bleibe getreu dem himmlischen Licht!Präg' dir's fürs ganze Leben ein:
Gott will, auch du sollst glücklich sein.
4. Morgengebet.
Jos. von Eichendorff, Gedichte
(I) wunderbares, tiefes Schweigen! Ach fühl' mich recht wie neu geschaffen;
wie einsam ist's noch auf der Welt! wo ist die Sorge nun und Not?
die Wälder nur sich leise neigen, Was mich noch gestern wollt' erschlaffen,
als ging der Herr durchs stille Feld. ich schäm' mich des im Morgenrot.
Die Welt mit ihrem Gram und Glückewill ich, ein Pilger, frohbereitbetreten nur wie eine Brückezu dir, Herr, übern Strom der Zeit.