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S. Der Postillon.
Nikolaus Lenau, Gedichte.
1. Lieblich war die Maiennacht,Silberwölklein flogen
ob der holden Frühlingsprachtsreudig hingezogen.
2. Schlummernd lagen Wies und Hai«,jeder Pfad verlassen;
niemand als der Mondenscheinwachte auf der Straßen.
3. Keife nur das Lüftlein sprach,und es zog gelinder
durch Las stille Schlafgemachall der Frühlingskinder.
4. Heimlich nur das Büchlein schlich,denn der Blüten Träume
dufteten gar wonniglichdurch die stillen Räume.
5. Uauher war mein Postillon,ließ die Geißel knallen,
über Berg und Thal davonfrisch sein Horn erschallen.
6. Und von flinken Rossen vierscholl der Hufe Schlagen,
die durchs blühende Reviertrabten mit Behagen.
7. Mald und Flur im schnellen Zugkaum gegrüßt — gemieden;
und vorbei, wie Traumesflug,schwand der Dörfer Frieden.
8. Mitten in dein Maienglücklag ein Kirchhof innen,
der den raschen Wanderblickhielt zu ernstem Sinnen.
9. Hingelehnt an Bergesrandwar die bleiche Mauer,
und das Kreuzbild Gottes standhoch, in stummer Trauer.
10. Schwager ritt auf seiner Bahnstiller jetzt und trüber;
und die Rosse hielt er an,sah zum Kreuz hinüber:
11. „Halten muß hier'Roß und Rad!mag's euch nicht gefährden:
drüben liegt mein Kameradin der kühlen Erden;
12. Gin gar Herzlieber Gesell!
Herr, 's ist ewig schade!
Keiner blies Las Horn so hell,wie mein Kamerade!
13. Hier ich immer halten muß,dem dort unterm Rasen
zum getreuen Brudergrußsein Leiblied zu blasen!"
14. Mnd dem Kirchhof sandt' er zufrohe Wandersänge,
daß es in die Grabesruh'seinem Bruder dränge.
15. Und des Hornes Heller Tonklang vom Berge wieder,
ob der tote Postillonstimmt' in seine Lieder. —
16. Meiler ging's durch Feld und Hagmit verhängtem Zügel;
lang' mir noch im Ohre lagjener Klang vom Hügel.