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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Iv. Der Bote im Junius.

Matthias Claudius, Wandsbecker Bote (Auswahl).

HHber die Lenzgestalt der Natur ist doch wunderschön! Wenn derDornstrauch blüht und die Erde mit Gras und Blumen pranget! Soein Heller Dezembertag ist wohl auch schön und dankenswert, wennBerg und Thal in Schnee gekleidet sind und uns Boten in derMorgenstunde der Bart reift: aber die Lenzgestalt der Natur ist dochwunderschön! Und der Wald hat Blätter, und der Vogel singt, unddie Saat schießt Ähren, und dort hängt die Wolke mit dem Bogenvom Himmel, und der fruchtbare Regen rauscht herab!

Wach auf mein Herz, und singedem Schöpfer aller Dinge

's ist, als ob Er vorüber wandle, und die Natur habe seinKommen von ferne gefühlt und stehe bescheiden am Weg in ihremFeierklcide und frohlocke!

LI Reiselied.

Joseph von Eichendorff, Gedichte.

Durch Feld und Buchenhallenbald singend, bald fröhlich still,recht lustig sei vor allen,wer's Reisen wählen will.

Menn's kaum im Osten glühte,die Welt noch still und weit:da weht recht durchs Gemütedie schöne Blütenzeit.

Die Lerch' als Morgenbotesich in die Lüfte schwingt,eine frische Reisenotedurch Wald und Herz erklingt.

O Lust, vom Berg zu schauenweit über Wald und Strom,hoch über sich den blauentiefklaren Himmelsdom!

Dom Berge Vöglein fliegenund Wolken so geschwind:Gedanken überfliegendie Vögel und den Wind.

Die Wolken zieh» hernieder,das Vöglein senkt sich gleich:Gedanken gehn und Liederfort bis ins Himmelreich.