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LS. Du sollst den Feiertag heiligen.
Fliegende Blätter aus dem Rauhen Hause.
^§in ehrlicher Schmiedgeselle kam auf seiner Wanderschaft in eineWerkstatt, wo es recht tapfer herging mit Hämmern und Feilen biszum Abend, und es war ihm eben recht; denn er arbeitete gern. Alsaber der Sonntag kam und das Hämmern nicht aufhörte und keineandere Orgel zu hören war als der Blasebalg, war es ihm nicht ganzrecht; denn er wäre gern in die Kirche gegangen. Aber der Meisterwollte aus seinem Eisen alle Taschen voll Gold schmieden und dachte:„Warum soll mein Handwerk bloß am Sonntag keinen goldenenBoden haben?"
Eine Weile ließ sich's der Geselle gefallen, weil er dem Meisternicht zuwider sein wollte. Allein ohne den Sonntag schmeckte ihm dasLeben wie eine Wassersuppe, in der kein Salz ist. Also faßt er sichein Herz, geht zum Meister ins Haus und sagt: „Meister, seit ich beiEuch bin, habe ich noch keinen Gottesdienst besuchen können, und wennich mich den Sonntag in der Werkstatt abarbeite, bin ich die Wochedurch nur ein halber Mensch; so kann ich nicht länger bestehen, f darumseid so gut und gebt mir Sonntags meine Freiheit." Der Meistersagt: „Nein, das geht nicht an; denn du hast die Aufsicht in der Werk-statt, und außerdem, wenn einer fortginge, könnten sie alle fortgehen,und dann stünde das Geschäft still." „Aber ohne Sonntagsruhe ver-komm' ich", sagte der Geselle, „und es geht einmal nicht. Ihr wißt,faul bin ich nicht, und Euern Schaden will ich auch nicht. Und wofürbin ich denn ein Christ, wenn ich keinen Sonntag habe?"
Dem Meister kam das wunderlich vor, und er hatte schon einWort von Narrenpossen und dergleichen auf der Zunge. Wie er aberdem ehrlichen Gesellen ins Gesicht sah, besann er sich und sagte: „Nun,meinethalben geh' in die Kirche, so oft du willst. Aber eins beding' ichmir aus: Wenn viel zu thun ist, mußt du auch am Sonntag auf demPlatze sein." Wer war froher als unser Geselle! Am nächsten Sonntagezieht er seinen blauen Rock an, nimmt das Gesangbuch unter den Armund geht in die Kirche. Solch einen schönen Tag hat er lange nichtgehabt; ihn hat der Gottesdienst aufgeweckt, und unser Schmiedgeselleist so munter wie ein Vogel. Nun vergeht die Woche, und wie derSonntag kommt, sagt der Meister: „Gesell, es ist viel zu thun; heute