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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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und essen nichts, trinken nichts, daß wir ihm nicht danken, und nichtnur mit Worten, sondern von Herzensgrund." Aber wenn er seinesKnechtes Uli gedachte, den der liebe Gott so fürstlich ausgestattet mitGesundheit und Kraft, und der dennoch seines Schöpfers so ganz ver-gesse, so schnöde seine Gaben mißbrauche, so wurde er ganz wehmütigund stand oft und lange still, sinnend, was er ihm Wohl sagen sollte, daßer wieder werde ein Preis seines Schöpfers. Es war ihm an seinereigenen Seele viel gelegen, darum an den Seelen anderer auch; undwie er teilnahm, wenn ein Knecht oder eine Magd am Leibe krankwar, so schmerzte es ihn auch, wenn er ihre Seelen in Gefahr sah;und wie er für kranke Diensten den Doktor kommen ließ, so suchte erauch ihre kranken Seelen zu doktern. So was ist nicht immer derFall. Vielen Menschen ist an den eigenen Seelen nichts gelegen, darumauch an den Seelen der andern nicht.

So verweilte sich der Bauer unvermerkt, und die Mutter hatteschon lange gesagt, sie wollte zum Essen rufen, wenn der Vater dawäre. Als er zur Küchenthüre hereinkam mit der freundlichen Frage,ob sie gekocht hätten? und als ihm die freundliche Antwort wurde,man hätte schon lange essen können, wenn er da gewesen wäre, mitwem er sich wohl wieder verplaudert hätte? und als er ernsthaftsagte:Mit dem lieben Gott", so kam seiner Frau fast das Augen-wasser, und sie sah ihn gar sinnig an, während sie den Kaffee ein-schenkte und die Mägde den Knechten riefen und das Essen auf denTisch stellten.

Aus tiefem Schweigen heraus fragte der Bauer:Wer gehtz'Kilche?" Die Frau sagte, sie habe es im Sinne und deswegen schonzüpset, damit sie zur rechten Zeit hinkommen möge; und in ihreStimme fielen mehrere Kinderstimmen:Mutter, ich will auch mit!"Zwei Knechte aber und zwei Mägde blieben stumm. Auf die Frage,ob denn keines gehen wolle, fehlte es dem einen an den Schuhen, demandern an den Strümpfen. In keinem war der Trieb, zu gehen, aberAusreden dagegen in Menge. Da sagte der Bauer, so könne das nichtmehr gehen; das komme ihm doch sonderbar vor, daß sie zu jedemGeläuf Zeit hätten, aber nie zum Kirchengehen. Am Morgen sei keinesvom Hause wegzubringen, und am Nachmittag sei es, wie wenn mansie mit Kanonen wegschösse, und bis zum späten Abend sei keines mehrzu sehen. Das sei ihm eine schlechte Sache, wenn man nur Sinn