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„Jst's was anders, das ich dir verrichten soll, Vater", frug derSohn, „oder wär's das gsy?"
„Nein", sagte der Vater, „möchte dich um sonst was bitten. Gehmir zum Pfarrer. Ich laß ihn grüßen, sag ihm, und ihn bitten, ersolle ein Gebet für mich verrichten, wenn er so gut sein wollte."
„Vater, hat es dir 'böset?" frug hastig der Sohn.
„Apparti nit", antwortete der Vater, „aber ich bin ein armerSünder und habe das Beten nötig, wenn ich zu Gnaden kommenwill. Es thäte mir wohl, wenn ich denken könnte, es hülfen für michnoch andere beten, und in derselben Chile, wo ich getauft und kon-firmiert wurde und so manchmal zum Nachtmahl ging, möchte ichgerne, daß auch für mich 'betet würd."
„Aber, Vater, ist's Euch denn so verleidet bei uns, daß Ihr nichtwarten mögt und sövli pressiert?"
„Nein, Sohn, erleidet ist's mir nit bei euch, hätt' gottlob auchkeine Ursache dazu, sondern den Herrn zu loben und zu preisen, daßer mich so lange bei euch gelassen, und wenn er will, so bleibe ichnoch lang mit Freuden hier. Aber einmal muß es sein, und denk, wiealt ich bin, da möchte ich gerne zweg sein in allen Stucken. Deswegen,wenn ich schon für mich beten lasse, geschieht es nicht aus Bangen,daß ich meine, es pressiere, es müsse heute noch sein; derentwegengeschieht es weder früher noch später, sondern wie es der Herr willund wie er es gesetzt hat. Aber es thut mir wohl, wenn ich denkenkann, jetzt beten sie alle für dich, und wenn einer noch einen Grollgegen dich hat und das geringste dir nachträgt, so läßt er es fahren,ist z'frieden mit dir, und ich kann auch denken, ich gehe so recht imFrieden heim, und wie die Leute, sei auch der liebe Gott z'friedemit mir."
„Aber, Vater, wer wollte nicht mit Euch zufrieden sein; Ihrthatet ja allen nur Lieb's und Gut's, wo solltet Ihr noch einen höhneMensch haben?"
„Lieber Sohn, wir machen viele Leute bös, wir wissen es nicht.Wir gehen unsern Weg, leben nach unserer Art, reden, wie wir's denken,achten uns anderer Menschen viel zu wenig, ob wir ihnen im Wegestehen oder sonst weh thun, darum, weil wir nur an uns denken undanderer Art nicht in Obacht nehmen. Wir machen viele Leute bös,was hilft es uns, hintendrein zu sagen, wir hätten es nicht bös ge-