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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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die Zuflucht, suchte Trost und Rat. Sein Heimwesen hatte er demSohn abgetreten, aber er war doch Meister geblieben, denn ohne seinenRat ward nichts gethan.

Als die Töne verklungen waren, das Bäbeli aber noch betete,ging leise die Thüre auf; ein rundes, freundliches Gesicht kam zumVorschein, guckte zum Großvater hin und sagte:Ich hörte Euchreden und wollte fragen, ob Ihr gut geschlafen, Vater, und was Ihrz'Morgen wollt? Kaffee und Eiertätschli d'rzu, oder lieber es SchnäfeliKäs? Hätt' auch ganz frische süßen Anke."

Dank heigist, du guts Kätheli", sagte der Großvater,han nitHunger; es Tröpfli Kaffee nimm ih dagege gern, er macht m'r wohl."

Mutter, denk, ich bin eingeschlafen, und der Großvater mußtemich wecken", klagte das Mädchen.

Da siehst, wie es geht, du wolltest absolut einmal dem Groß'Vater wachen! Junge Meitschi, wie du, wissen nicht, was wachen ist;die müssen geschlafen haben", sagte die Mutter freundlich. Es war dieSohnsfrau und dem Großvater sehr lieb. Sie ging nicht heraus, bissie dem Vater die Kissen zurecht gelegt, mit einem reinen Tuch dasGesicht abgetrocknet und gefragt, ob er ein frisches Hemd verlange,sie habe ihm draußen eins an der Wärme.

Als es bekannt war, Großvater sei erwacht, kam eins nach demandern, ihm guten Morgen zu sagen und seiner ansichtig zu werden.Einer der letzten war der Sohn, der jetzt der Hausvater war, bereitsein Mann in mittleren Jahren. So freundlich er konnte, frug er denVater nach seinem Befinden, ging dann alsbald zu Geschäften über,berichtete, was im Stall vorgegangen, frug, was der Vater meine,daß in der nächsten Woche vorgenommen werde, ob man Reps säenoder Hanf und Flachs ziehen wolle.

Nachdem der Großvater freundlich den gewünschten Rat gegebenhatte, sagte er:Du könntest mir auch einen Gefallen thun, wenndu wolltest."

Gern, Vater", sagte der Sohn,die Frau hat mir schon be-fohlen, ich solle sehen, daß ich ein schön Stückli Fleisch bekomme, undZucker soll ich auch bringen."

Kätheli ist b'sunderbar es guets, denkt mehr an andere als ansich. Häb's in Ehren; zu allem e fründligi Miene, un es guets Wort,du glaubst nit, was das wert isch in ere Hushaltig."