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2. Hesch gmeint, de seisch clleinig do?Nei weger nei, mer meihe' Ichs!
Mer meihe scho ne halb! Stund;früeih ussto isch de Gliedere gsund,es macht e frische frohe Muet,und d'Suppe schmeckt eim no so guet.
3. 's git Lüt, sie dose r frili no,sie chönne schier nit use cho.
Der Mähder und der Morgesternstöhn zitli uf und wache gern,und was me früeih um vieri tuet,das chunnt eim z'Nacht um nüni guet.
4. Und d'Vvgeli fin au scho do,sie stimmen ihre Pfifli scho,
und ufsem Baum und hinterm Hagseit eis im andre Guete Tag!
Und's Turteltübli ruukt und lacht,und's Betzitglöckli isch au vermacht.
5. „Se helfis Gott, und gebis Gotte guete Tag , und bhüetis Gott!
Mer beten um e christlig Herz,
i mähen. 2 schlummern.
es chunnt eim wohl in Freud und Schmerz;wer christli lebt, het frohe Muet:der lieb Gott floht für alles guet."
6. „Dört chunnt scho d'Suun,i ha's jo
in ihrer stille Herrlichkeit! sgseit,
Sie zündet ihri Strahlen a,
der Chilch-Turn wärmt sie au scho dra,und wo sie fallen in Berg und Thal,se rüehrt si's Leben überall"
7. Der Storch probiert si Schnabel scho.„De chaschs perfekt wie gester no!"
Und d'Chemi rauchen au alsgmach;hörsch's Mühlirad am Erlebach,
und wie im dunkle Buechewaldmit schwere Streiche d'Holzax fallt?
8. Was wandlet dort im Morgestrahlmit Tuech und Chorb dur's Mattethal?'s sind d'Meidli jung und flink und froh,si bringe weger d'Suppe scho,
und's Anne-Meili vornen a,es lacht mi scho vo witem a.
24. Sommernacht.
Gottfried Keller, Gesammelte Gedichte.
Es wallt das Korn weit in die Runde,und wie ein Meer dehnt es sich aus;doch liegt auf seinem stillen Grundenicht Seegewürm noch andrer Graus:
Da träumen Blumen nur von Kränzenund trinken der Gestirne Schein;o goldnes Meer, dein friedlich Glänzensaugt meine Seele gierig ein!
In meiner Heimat grünen Thaten,da herrscht ein alter, schöner Brauch:
Wann hell die Sommersterne strahlen,der Glühwurm schimmert durch den Strauch,dann geht ein Flüstern und ein Winken,das sich dem Ährenfelde naht;da geht ein nächtlich Silberblinkenvon Sicheln durch die goldne Saat.