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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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die edlen Römerinnen ausgezeichnet hatten, war Cornelia, die TochterScipios, des berühmten Siegers über Hannibal. Nach dem Verlustihres Gatten Tiberius Gracchus schlug sie sogar die Hand des ägyp-tischen Königs aus, um sich ganz der Erziehung ihrer zwölf Kinderwidmen zu können. Doch der Tod entriß ihr eins ums andere bis aufeine Tochter und zwei Söhne, auf die sie nun alle ihre Liebe undSorgfalt übertrug. Durch griechische Kunst und Wissenschaft selbst hoch-gebildet, Pflegte sie in ihnen die Keime jeglicher Bildung und jeglicherTugend. Eine andere vornehme Römerin bat sie einst, ihr doch ihreKleinodien zu zeigen.Hier sind sie", sprach, auf ihre Kinder weisend,die edle Cornelia. Unter solcher Leitung entfalteten sich ihre herrlichenAnlagen zu schönster Blüte; und als die beiden Gracchen sich späterals ausgezeichnete Staatsmänner und edle Wohlthäter des Volkes er-wiesen, da gedachte man in großer Verehrung auch ihrer vortrefflichenMutter und setzte ihr nach ihrem Tode eine eherne Bildsäule mit derInschrift:Cornelia, die Mutter der Gracchen".

SL. Neapel und der Vesuv.

Nach H. Keck, Vaterländisches Lesebuch, u. a,

Aüd-Jtalien ist unstreitig der fruchtbarste und gesegnetste Teil vonganz Italien, darin die prächtige Stadt Neapel ani Meere, mit demVesuv in der Nähe. Die Lage ist reizend schön und wird nur vonden Umgebungen Konstantinopels übertreffen. Der Himmel erscheinthier monatelang ununterbrochen wolkenlos und so blau oder noch blauerals bei uns in den schönsten Frühlingstagen. Die Luft ist so rein, daßmeilenweit entfernte Dörfer ganz nahe erscheinen. Da ist die rechte Heimatder Südfrüchte: Citronen, Granaten, Orangen, Oliven; es wachsen daund dort auch Palmen, Kaktus, Oleander im Freien. Maulbeerbäumetrifft man allenthalben. Ihre Blätter bilden das Futter der Seidenraupe,die in Italien überall in großer Zahl gezogen wird. Einen eigentlichenWinter gicbt's im südlichen Italien nicht; Eis und Schnee sind höchstseltene Erscheinungen; nur die Gipfel der Abruzzen und der Vesuv sindwochenlang in einen Schneemantel gehüllt. Im Januar kann man dieEckensteher Neapels, die Lazzaroni und die Landleute im Freien ihr Mittags-schläfchen halten sehen. Ja, um Weihnachten kommt es vor, daß Spazier-gänger sich mit aufgespanntem Schirm gegen die Sonnenstrahlen schützen.

Auf dem Ostgestade des Busens von Neapel erhebt sich der Vesuvaus der Ebene. Ein mehrstündiger Weg führt anfangs durch die üppig-sten Pflanzungen von Wein, Feigen und Aprikosen, später durch einschrecklich ödes, braunrotes Lavagefild bis zum steilen Kegel des Berges.