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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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30000 Franken, und Cicero und Pompejus konnten sich von ihremStaunen nicht erholen, als sie eine so glänzende Mahlzeit bereitetfanden wie noch nie.

In alter, einfacher Zeit begnügte man sich mit wenigen Sklaven;in der letzten Zeit der Republik dagegen dienten ganze Scharen vonSklaven nur zur Bedienung und Begleitung ihres Herrn. Dem an-gesehensten war die Aufsicht über das ganze Hauswesen übertragen.Außer ihm gab es Kassierer, Ärzte, Vorleser, Schreiber und Musikerunter ihnen. Auch an Narren und Zwergen fehlte es nicht. Zu dengeringeren Sklaven gehörten die Thürhüter, die Aufseher über die Wohn-und Schlafzimmer, und die, welche ihren Herrn beim Ausgehen be-gleiteten, wobei einige vor ihm her gingen, um ihm im Gedränge Platz zumachen. Für geschickte Sklaven wurden oft unglaubliche Summen bezahlt.

Um sich durch hohe Ämter die Mittel zu solchen Genüssen zu ver-schaffen, suchten die Bewerber um ein Amt das Volk durch Bestechungenzu gewinnen. Sie waren herablassend und zuvorkommend gegen jeder-mann, machten Geld- und Getreideausteilungen und veranstalteten mitungeheurem Geldaufwands Spiele, besonders Tiergefechte und Fechter-spiele. Crassus speiste während seines Konsulats das Volk an 10000Tischen und ließ jedem noch so viel Getreide geben, als er auf dreiMonate brauchte.Brot und Spiele!" das war das gewöhnliche Ge-schrei des römischen Volkes. Und nicht nur die untersten Volksklassen,selbst die Vornehmsten in Rom waren der Bestechung zugänglich, dieauf die schamloseste Weise betrieben wurde. Während die Erziehungder Kinder den Sklaven überlassen wurde, verbrachten die Mütter ihreZeit müßig am Putztische oder schauten den öffentlichen Kampfspielen zu.Immer seltener wurden edle Frauen. Vergeblich waren alle Verord-nungen, durch die man dem Übel abzuhelfen suchte. So mußte, daauch die alte Staatsreligion mehr und mehr in Verfall geriet, dieSittenlosigkeit in Rom immer fürchterlicher überhandnehmen. Ein soentartetes Volk konnte sich nicht länger die Freiheit bewahren, deren esnicht mehr fähig und würdig war.

SS. Coriielia, die Mutter der Gracchen.

Nach C. Werntcke, Geschichte des Altertums.

Eine der zu ihrer Zeit bereits selten gewordenen Frauen, die allejene Tugenden in sich vereinigten, durch welche sich in früherer Zeit

Schweiz. Jugendfreund. 4